
INTERVIEW. In entspannter Atmosphäre in Köln am Rhein haben wir am heutigen Dienstag im Rahmen der Programmpräsentation der TV-Saison 2011/2012 mit RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt gesprochen. Mit starken Neustarts in allen Genres startet RTL im September die neue TV-Saison. Spannende Eventmovies, neue Serien, neue Comedy- und Showformate, sowie einzigartige Reportagen wird RTL in der kommenden Saison senden. Das Dschungelcamp “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” geht in die nächste Runde und natürlich werden am Samstagabend die erfolgreichen Dauerbrenner “Deutschland sucht den Superstar” und “Das Supertalent”für Unterhaltung sorgen.
Auf der Präsentation wurde vorgeführt, dass RTL zu jeder Tageszeit an jedem Tag Marktführer ist – Außer am Sonntagabend. Was kann RTL am Sonntagabend noch besser machen und gibt es Ideen für das “Sonntagsproblem”?
(lacht) Also ehrlich gesagt würde ich nicht so weit gehen, dass als Sonntagsproblem zu bezeichnen. Ich glaube, wenn man einen Blick auf unser Schema wirft, kann man gar nicht von einem Problem sprechen. Am Sonntag ist es eigentlich jede Woche ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wer den besseren Spielfilm hat. Es ist so, dass bei den Studios immer eine komplette Season gekauft wird und man kann es gar nicht so aktiv steuern. Wir haben jetzt mit Warner und dem, was von Warner kommt und dem neuen Film von Universal ein schönes Line-up.
Aber es kann auch sein, dass man ein Jahr Pech hat und das Studio nicht die Spielfilme liefert, die man sich erhofft hat. Es ist somit kein Problem, wo ich denke, da müssen wir aktiv das jetzt so gestalten, dass wir das Schema verändern. Wir setzen am Sonntag auf große Spielfilme und das wird auch in der nächsten Saison so sein und ich denke, wir haben mit einigen Top-Spielfilmen, unter anderem mit dem erfolgreichsten Film ‘Avatar’, wirklich gute Filme im Programm. Es wird wochenweise schwanken: Mal sind wir Marktführer, mal ist ProSieben Marktführer.
Und auf dem zweiten Sendeplatz haben wir ein politisches Magazin, dass ist “Spiegel TV”. Also den Anspruch an ein politisches Magazin zu stellen, es soll jetzt konkurrieren mit einem amerikanischen Blockbuster in Erstausstrahlung, wäre das vermessen und auch unfair. Wir wollen mit “Spiegel TV” wachsen, dass sehen auch die Kollegen von “Spiegel TV” so. Wir haben ein neues Design und ein neues Studio und ich glaube, da ist auch noch was drin, wo wir wachsen können. Hat ein politisches Magazin im Jahresdurchschnitt die Chance, Marktführer zu sein, ist die Antwort eher nein. Und damit werden wir auch leben und das ist ok, weil es gehört zu unserem Portfolio. Wachsen ja, 25 Prozent Marktanteil mit einem politischen Magazin wäre schön, aber die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich gering.
KUKKSI-Hinweis 
RTL hat die höchsten Marktanteile, wenn man es mal so formulieren kann. Die Konkurrenz schleicht da ein Stück vor sich hin. Ist RTL einfach zu gut oder die Konkurrenz zu schlecht?
Ich glaube, dass eine bedingt immer das andere. Ich glaube nicht, dass in Deutschland die Konkurrenz schlecht ist. Also wenn man sich den deutschen Markt anschaut und man vergleicht dies mit anderen internationalen Märkten, dann gehören wir sicherlich neben den USA und den asiatischen Märkten zu den wettbewerbsintensiven Ländern überhaupt. Wenn Sie Digitalfernsehen empfangen, haben Sie über 100 Kanäle. Unsere Nachbarn haben teilweise deutlich weniger. In Frankreich, wenn Sie sich dort die Struktur der Privatsender anschauen, diese ist gerade erst in der Entwicklung. Deutschland ist schon sehr wettbewersintensiv.
Die Nachmittagsformate bei RTL stehen in Kritik. Kürzlich hatte sich auch die NDR-Sendung “Panorama” damit beschäftigt. Wie gehen Sie mit der Kritik der öffentlich-rechtlichen Sender um?
Das ist ja jetzt nicht eine Auseinandersetzung mit den Themen gewesen und man schaut sich wirklich jeden einzelnen Bereich an, lässt den zu Wort kommen und reflektiert einfach mal, wie stehen die Genres am Nachmittag in Deutschland da. Das ist hier nicht so. Viele Themen wurden hier nicht genannt und vor dem Hintergrund spricht diese Reportage für sich selber, weil sie vieles von dem, was sie anderen vorwerfen, selber tut, da sie vieles aus lässt. Die Reportage tut nicht unbedingt das, was ich jetzt mit dem Journalismus verbinden will. Vor dem Hintergrund möchte ich gar nicht über die Reportage selber sprechen, über das Thema kann man sehr wohl sprechen.
Wir stehen zu Scripted Reality, wir haben immer gesagt, dass es gescripted ist, dass ist letztendlich eine fiktionale Unterhaltung mit den Mitteln, die für eine Daytime-Programmierung zur Verfügung stehen und was die Kollegen da leisten, auch handwerklich jeden Tag, das verdient allerhöchste Anerkennung und die Aussage, dass wir das entsprechend nicht kennzeichnen, stimmt überhaupt nicht. Wir haben am Anfang die Einblendung, dass das auf Büchern basiert und das haben wir zum Schluß auch nochmal. Also das stimmt in der Form einfach nicht. Ich glaube, dass muss man gar nicht kommentieren (Im Bezug auf die ‘Panorama’-Sendung) und ich tu mich auch schwer, Formate von den Wettbewerbern zu kommentieren. Ich glaube, das steckt auch ein Zweck dahinter und das spricht für sich.
Für RTL wird es eine aufregende Saison. Der Marktführer experimentiert in der kommenden Saison. Ist das für den Sender oder für auch für Sie die aufregendste TV-Saison der letzten Jahre?
Die aufregendste ist immer die, die davor steht. Weil die andere hat man dann schon hinter sich und da ist die Aufregung etwas weg und die nächste Saison ist immer die aufregendste. Wir haben natürlich eine solide Ausgangsposition, weil wir sehr viele etablierte Formate haben, auf die wir bauen können, wo wir wissen, dass diese auch Erfolg haben werden. Wir haben mit unseren Nachrichten, Magazinen, Daily Soaps und den Nachmittag ein so stabiles Gerüst und mit den Shows ganz klar gelernt, wie wir unsere Zuschauer ansprechen, dass heißt, ein gewisser Erfolg ist heute schon berechenbar und das ist ganz wichtig, dass wir dann zusätzlich in allen Genres auch was Neues bringen und den Erfolg, den wir im Moment haben, nutzen wir, um neue Dinge anzuschieben.
Wenn Sie sich beispielsweise den Bereich Real Life anschauen, dann nutzen wir ganz bewusst einen Sendeplatz am Sonntag um 19:05, wo wir neue Formate testen, manchmal mit ein oder zwei Folgen nur. So haben wir beispielsweise Christopher Posch damals mit einer Folge getestet, die war schon erfolgreich, die hat knapp 19 Prozent geholt und sind dann in die Staffel gegangen. Wir haben drei neue Episoden gespielt und er ist wieder sehr erfolgreich. [...] Das Feedback ist sehr groß und das Testen von neuen Formaten muss immer zu den bewährten hinzukommen. Das macht natürlich so eine Saison auch aufregend. [...] Wir haben neue Aspekte hinzugefügt, komplett neue Themen wie beispielsweise ‘Undercover Boss’ mit einem großen Erfolg – Real Life wurde somit nochmal neu erfunden und das macht es spannend und ist natürlich eine große Herausforderung für die nächste Saison.
HINWEIS | Bild: © RTL, Stephan Pick | Wir bedanken uns bei Anke Schäferkordt für das nette und informative Interview mit Blick auf den Kölner Dom. Das Gespräch wurde am Dienstag im Rahmen der RTL-Pressekonferenz zur TV-Saison 2011/2012 geführt.
