
INTERVIEW. Ein Deutschland, viele Kulturen: Schüler und Nachwuchsjournalisten haben die Möglichkeit, ihre Erfahrungen im multikulturell geprägten Alltag mit den Mitteln audiovisueller Medien zu schildern. Für den RTL Com.mit Award können Schüler Kurzfilme oder Fernsehbeiträge einreichen. Darüber haben wir mit dem RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel gesprochen, welcher in der Jury sitzt. Weitere Themen des Gesprächs waren Integration, die Berichterstattung aus Krisengebieten, das zehnjährige Jubiläum der RTL-Journalistenschule und die Nachrichtensendung “RTL aktuell”.
Schüler und Nachwuchsjournalisten können sich bei dem RTL Com.mit Award bewerben. Was will der RTL Com.mit Award zum Thema Integration und „Multikulti“ beitragen und was ist das Ziel?
Wir möchten junge Menschen an die Medien heranführen, in dem wir sie aufrufen, sich mit dem Thema Integration auseinandersetzen. Dazu sollen sie uns ihre Erfahrungen mit gelungener ebenso wie mit gescheiterter Integration übermitteln. Mit etwas Glück haben sie dann die Gelegenheit, ihre Geschichte später mit TV-Profis filmisch umzusetzen.
Integration ist ein Thema, welches in den letzten Monaten für Aufsehen gesorgt hat. Wie geht der RTL Com.mit Award mit kritischen Beiträgen zur Integration um?
Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn jemand das Thema Integration kritisch beleuchtet. Wichtig ist uns aber, dass es bei aller Kritik auch Lösungsvorschläge gibt. Immer nur zu sagen: „Alles ist schlecht und deswegen machen wir nicht mit“, reicht uns nicht aus. Wir möchten schon wissen, warum Integrationsansätze immer noch zu oft scheitern und wie man möglicherweise Wege finden kann, Menschen zusammen zu bringen, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen oder auch aus verschiedenen Ländern stammen.
Bis zum 31.03.2011 kann man sich beim RTL Com.mit Award bewerben. Wie geht es nach der Bewerbungsfrist weiter und wie gestalten sich die Abläufe?
Eine Vor-Jury sichtet alle eingesandten Storyboards. Anschließend entscheiden wir, welche die Besten sind und welche davon sich mit den Mitteln des Fernsehens umsetzen lassen. Gleichzeitig sichtet unsere Jury auch schon die tatsächlichen fertigen Filme, die von Studenten für die Kategorie Nachwuchsjournalisten angefertigt worden sind. Für den Schüler-Award laden wir die Autoren der besten Einreichungen nach Köln zu einem zweitägigen Fernseh-Crashkurs ein.
Dort bringen wir ihnen einiges über Fernsehproduktionen und journalistisches Arbeiten im Fernsehen bei und überlegen gleichzeitig gemeinsam, wir ihre Vorschläge verfilmt werden können. In den Wochen danach geben wir den jungen Leuten die Möglichkeit, mit Profis aus unseren Außenbüros ihr Drehbuch in einen Film umzusetzen. Da heißt es dann drehen, schneiden, vertonen. Die fertigen Beiträge schauen sich anschließend die Jurymitglieder an und entscheiden, wer gewonnen hat.
Thilo Sarrazin hat mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt. In wie weit sind die Thesen gerechtfertigt und wie spiegeln sich die kritischen Thesen im Alltag wieder?
Das Buch von Thilo Sarrazin hat das Thema Integration klar in den Fokus der politischen Diskussion gerückt. Es ist aber nicht so, dass Thilo Sarrazin der erste ist, der festgestellt hat, dass Integration für Deutschland ein wichtiges Thema ist. Die Bundesregierungen in den 80er- und 90er Jahren haben das Thema erkannt, aber die Dringlichkeit falsch eingeschätzt; aber in den letzten zehn bis 12 Jahren ist die Notwendigkeit von Integration doch stärker auf die Agenda gerückt.
Dabei wurde auch jedem klar, dass es große Defizite gibt – nehmen wir nur mal die mangelnde Spracherziehung von Kindesbeinen an. Thilo Sarrazin hat diesen Umstand allerdings auch mit Thesen dargestellt, die den Eindruck vermitteln, dass wir auf einen Staat zusteuern, der in keiner Weise mehr von einer deutschen Leitkultur geprägt ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass es so nicht kommen wird und möchte deshalb mit unserem Engagement auch dazu beitragen, dass die Medien Integration offensiv in der veröffentlichten Meinung platzieren.
Sind ausreichende Sprachkenntnisse der wichtigste Grundstein der Integration?
Absolut! Wer sich hier in Deutschland nicht ausreichend auf Deutsch unterhalten kann, hat extreme Startschwierigkeiten – im Privaten wie im Beruflichen. Deswegen kann man gar nicht früh genug anfangen, die deutsche Sprache zu lernen.
Duisburg-Marxloh, Köln-Chorweiler oder Berlin-Neukölln: Weshalb ist in Problembezirken die Integration so schwierig?
Diese sogenannten Problembezirke sind deshalb entstanden, weil die Bedeutung von Integration weder von den Behörden noch von der Gesellschaft ernst genug genommen wurde. Es gab weder ausreichend Sprachkurse für die Zuwanderer, noch wurden ihnen genügend Anreize gegeben, damit sie sich tatsächlich mit den Menschen hierzulande, mit der deutschen Kultur und Sprache anfreunden können.
So haben sich über die Jahre leider auch Regionen herausgebildet, in denen die Zahl der deutschstämmigen Bürger zurückging und in der Folge die verschiedenen Muttersprachen, aber nicht mehr die deutsche Sprache überwogen. Gelungene Integration funktioniert aber nur über die Bereitschaft der Zuwanderer, diese wirklich zu wollen und dazu auch die deutsche Sprache beherrschen zu wollen.
Antonia Rados ist einer der bekanntesten Reporterinnen, welche aus Krisengebieten berichtet. Eine einfache Aufgabe ist das nicht – wenn Sie die Wahl hätten: Könnten Sie sich vorstellen, den Job mit Antonia Rados zu tauschen?
Nein, da würde mir ehrlich gesagt auch die nötige Erfahrung fehlen. Antonia Rados hat in den vergangenen 30 Jahren ihrer beruflichen Karriere immer wieder bewiesen, dass sie in Krisengebieten und auch in vielen Krisensituationen als hellwache Reporterin eine hervorragende Leistung abliefern kann. Da ist sie schon die ideale Besetzung. Und unsere jüngeren Reporter können viel von ihr lernen.
In Ägypten und Libyen ist die Lage eskaliert. Die Reporter vor Ort sind Gefahren, unter anderem vor Übergriffen, ausgesetzt. Welche Sicherheitsmaßnahmen trifft RTL vor Ort und ist die journalistische Arbeit, beispielsweise in Ägypten, an ihre Grenzen gestoßen?
Wir versuchen unsere Berichterstatter und Reporter u.a. dadurch zu schützen, dass wir bei Bedarf auch Sicherheitspersonal zur Seite stellen. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass unsere Reporter selbst einschätzen können, welche Situationen für sie zu kritisch sind, wann sie sich besser zurückziehen oder ob sie sich überhaupt erst in solche Situationen begeben.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wirft nach wochenlangem Druck in der Affäre um seine Doktorarbeit das Handtuch und ist am Dienstag zurückgetreten. Ist es gerechtfertigt, dass der Ex-Verteidigungsminister auch Kritik an den Medien geübt hat?
Die Causa Guttenberg hat der zu verantworten, der sich in die Situation gebracht hat: also der Minister selbst, der eine Doktorarbeit abgeliefert hat, die zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dem Plagiatsvorwurf ausgesetzt ist. Mittlerweile gibt es ja genügend Bestätigungen dafür, dass diese Doktorarbeit keine eigene wissenschaftliche Leistung im klassischen Sinne ist, sondern eine Arbeit, die in weiten Teilen aus nicht offen gelegten Zitaten aus anderen Publikationen besteht. Darüber müssen die Medien berichten, und der Betroffene muss die richtigen Konsequenzen aus seinem Verhalten ziehen. Beides ist geschehen.
Die RTL-Journalistenschule feierte vor wenigen Wochen ihr zehnjähriges Jubiläum. Der Unterricht besteht aus Vorträgen, Beitragsanalysen, Diskussionen und praktischen Übungen. Gemeinsam mit Leonhard Ottinger haben Sie die Journalistenschule gegründet. Was zeichnet guten Journalismus aus?
Gute Journalisten zeichnet heute das aus, was sie auch schon vor zehn oder 50 Jahren ausgezeichnet hat: dass sie kritisch ihre Umwelt betrachten, dass sie ein Gespür für Themen haben, neugierig sind und sich gut ausdrücken können. Aber auch nach zwei Jahren intensiver Ausbildung an unserer Schule ist man natürlich noch kein rundum fertiger Journalist, sondern man braucht jede Menge Erfahrung, um in diesem Beruf dauerhaft erfolgreich zu sein. Ich denke aber, dass wir mit unserem Lehrplan gute Voraussetzungen dafür schaffen, dass die jungen Leuten diese Erfahrung tatsächlich auch machen können.
Sie moderieren seit mittlerweile knapp 20 Jahren die RTL-Nachrichten. Sie werden als der „Mr. News“ im Internet bezeichnet und sind einer der beliebtesten Nachrichtenmoderatoren im deutschen Fernsehen. Was treibt Sie an, die Nachrichten täglich zu moderieren?
Mich treibt vor allem der spannende und kreative Prozess an, sich jeden Morgen mit den Kollegen zusammenzusetzen und die wichtigen von den unwichtigen Informationen des Tages zu trennen – damit wir täglich um 18:45 Uhr eine fertige Sendung abliefern können, in der die Informationen so aufbereitet sind, dass unsere Zuschauer mit Interesse und Erkenntnisgewinn zuschauen.
RTL ist im vergangenen Jahr nach Köln-Deutz gezogen und die Studios sind mit neuer Technik ausgestattet. Haben Sie sich schon an ihr „neues Umfeld“ gewöhnt?
(lacht) Oh ja, das ging sehr schnell, und ich bin sehr froh über unser neues Studio. Zum einen ist es technisch auf dem neuesten Stand, wodurch wir viele Möglichkeiten haben, die wir in unserem alten Studio nicht hatten. Zudem sind wir hier in Deutz nicht nur als Fernsehsender RTL Television, sondern als Mediengruppe RTL Deutschland endlich mit allen Unternehmensteilen an einem Ort unter einem Dach zusammengekommen. Hier haben wir die Möglichkeit, noch enger zusammen zu arbeiten, als wir das jemals konnten. Davon profitiert die ganze Gruppe.
„RTL aktuell“ wird immer erfolgreicher: Die ZDF-Nachrichtensendung liegt öfters hinter „RTL aktuell“ und auch die „Tagesschau“ bekommt durch RTL Konkurrenz. Woran liegt das? Sind Sie zu gut und die anderen zu schlecht?
Nein, ich glaube wir sind alle gut, wir sind aber auch alle unterschiedlich in der Art, wie wir Nachrichten aufbereiten. „RTL aktuell“ ist über die Jahre erwachsen geworden, der Zuschauerzuspruch wurde größer. Auch deshalb, weil wir Informationen auf eine interessante und für die Zuschauer gut verständliche Art präsentieren und die Menschen mit einem Nutzwert aus dieser Sendung entlassen. Unser Anspruch ist es, Nachrichten für die Zuschauer zu machen und dabei auch die Themen aufzugreifen, die sie ganz unmittelbar betreffen. Natürlich freuen wir uns sehr, dass dieser Ansatz immer mehr Zuschauern gefällt.
Wir bedanken uns bei Peter Kloeppel für das Interview | Bild: © RTL, Stefan Menne. Die Fragen an Peter Kloeppel stellte Oliver Stangl.