
MONTAG (01.11.10). Seit heute, dem 1. November, gilt der neue Personalausweis. Laut Auskunft von Mitarbeitern der zuständigen Stellen vor Ort, hält sich die Nachfrage stark in Grenzen. Das mag wohl daran liegen, dass der Bundesbürger neuerungen eher misstrauisch gegenüber steht. Hinzu kommt, dass bereits im Vorfeld dieses Stichtages viel kritisches über das neue Ausweisdokument zu hören war.
Der Ausweisinhaber kann die Möglichkeit nutzen, sich auch im Internet elektronisch gegenüber Behörden ausweisen zu können. Wer es will, kann unter anderem sogar sein Auto direkt im Internet zulassen. Der Identitätsnachweis bietet auch die Möglichkeit, gegenüber privatwirtschaftlichen Dienstleistungsanbietern, beispielsweise bei Online-Geschäften, Online-Banking oder beim Online-Einkauf von Tickets eingesetzt zu werden.
Parallel dazu erhält der Ausweisinhaber über ein spezielles Zertifikat die Bestätigung, dass die von ihm aufgerufene Website auch dazu berechtigt ist, individuell seine Daten abfragen zu dürfen. Dochnicht genug der Funktionen: auch eine digitale Signatur soll künftig Erleichterungen bringen. Rechtlich verbindliche Unterschrift, wie beispielsweise bei einem Autokauf im Internet, werden ab sofort möglich.
DIENSTAG (02.11.10). Das Paket mit Sprengstoff war an Bundeskanzlerin Angela Merkel adressiert und kam aus Griechenland. Der Inhalt war geeignet, um Menschen zu verletzen, dass teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Vor Ort wurde das Paket unschädlich gemacht. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von einer “sprengfähigen Vorrichtung”. Man sei froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist, erklärt Seibert weiter.
Die Kanzlerin hielt sich zu dem Zeitpunkt nicht im Kanzleramt auf, erst am Abend kehrte sie aus Belgien zurück. De Maiziere teilte den deutschen Behörden mit, dass bei Sendungen aus Griechenland Vorsicht geboten sei. Das Kanzleramt wurde nicht evakuiert, die 450 Angestellten gingen ihrer Arbeit weiter nach. Mehrere Botschaften in Athen wurden ebenfalls von verdächtigen Paketen am Dienstag überrascht, auch die deutsche Botschaft war dort betroffen.
MITTWOCH (03.11.10). Die Nachricht verbreitete sich gestern in Windeseile: Bombenalarm im Kanzleramt. Das Päckchen, das an die Kanzlerin persönlich adressiert war, landete routinemäßig in der Postprüfstelle, die sich an der Nordseite des Regierungssitzes befindet. Laut Angaben wurde beim Durchleuchten Auffälligkeiten festgestellt und hinzu gezogene Spezialisten vom BKA konnten es unschädlich machen.
Es soll sich um ein ausgehöhltes Buch handeln, doch weitere Angaben liegen offiziell noch nicht vor. Regierungssprecher Seibert teilte vorerst mit, dass sich die Kanzlerin, die selber gestern in Belgien war, froh darüber zeigte, dass niemand verletzt worden ist.
Wäre es zu einer Explosion oder einem Brand gekommen, wäre die Kanzlerin davon nicht betroffen gewesen. Anders als die Beschäftigten in der Postprüfstelle – schließlich werden hier alle Posteingänge näher überprüft und auch die Päckchen und Briefe, die an Angela Merkel persönlich gerichtet sind. So wie es aussieht, reichen die Schutzmechanismen aus, um Schlimmmeres zu verhindern.
DONNERSTAG (04.11.10). Ulf Waschbusch, ein deutscher Passagier schreckt circa fünf Minuten nach dem Start von Flug QF32 der Australischen Airline Quantas auf. Er war an Bord des A380, der am heutigen Donnerstag wegen Triebwerksproblemen zu einer dramatischen Notlandung in Singapur gezwungen wurde. Zwar wurde keiner der 459 Menschen an Bord des Qantas-Fluges verletzt, doch war es der bisher schwerste Zwischenfall mit dem größten Passagierflugzeug der Welt.
Der deutsche Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sprach von einem “sehr schwerwiegenden Zwischenfall”. Denn die Teile, die aus dem Triebwerk entwichen sind, seien auch durch den Flügel geschlagen. “Dies ist wohl der ernsthafteste Zwischenfall mit dem A380″, sagte Tom Ballantyne vom Magazin “Orient Aviation”. “Es gab schon kleinere Triebwerkszwischenfälle, aber nichts wie dies hier.”
Nach ersten Erkenntnissen hat sich am zweiten Triebwerk des vierstrahligen A380 der hintere Teil gelöst, aus noch unbekannter Ursache. Die Maschine war gerade sechs Minuten in der Luft und über der indonesischen Insel Batam, als die Probleme dem Piloten auffielen. Er kehrte daraufhin um, kreiste lange in der Luft und steuerte dann wieder auf den Changi-Flughafen zu. Nach der Notlandung spritzte die Feuerwehr Wasser auf das rauchende Triebwerk.
FREITAG (05.11.10). Lange wurde nur gemunkelt, doch jetzt ist es eine Tatsache. Renate Künast wird für den Posten als Bürgermeisterin von Berlin antreten. Dies gab Künast bei einem „erweiterten Mitgliederabend” der Berliner Grünen bekannt. Sie tritt damit in den direkten Kampf mit Klaus Wowereit (SPD). „Heute ist wieder Zeit für einen Aufbruch, weil Berlin mehr verdient hat als lustloses Regieren“, sagte die 54-Jährige.
Weiterhin erklärte sie: “Ich bin bereit. Ich kandidiere.”Klaus Woereit nimmt es gelassen. Vor einigen Tagen erklärte der Regierende Bürgermeister von Berlin im KUKKSI-Interview: “In einem Teil der Umfragen liegen die Grünen vor der SPD, aber es gibt auch andere Umfragen, die allerdings in den Medien und von den Grünen nicht so gern zitiert werden.” Er ist zuversichtlich, dass die SPD bei der Lanstagswahl 2011 als Sieger hervorgehen wird: “Ich bin zuversichtlich, dass meine Partei am 18. September 2011 vorn liegen wird.”
SAMSTAG (06.11.10). Die Proteste gegen den Castor-Transport sind im Gange. Atomkraftgegner aus der ganzen Regionen Dannenberg sind mit Privatautos und Bussen unterwegs, um bei der Großdemo Flagge zu zeigen. Aktuell ist es dort eng auf den Straßen, die für derartige Anstürme nicht ausgelegt sind. Jochen Stay von der Initiative “ausgestrahlt” ist sich sicher, dass es heute lange Autoketten gegen Atomkraft auf den Straßen geben wird.
Die Initiativen erwarteten rund 40.000 Demonstranten – dies werden so viele sein, wie seit 30 Jahren nicht mehr. Im Jahr 2008 demonstrierten etwa 15.000 Atomkraftgegner, doch wird der Unmut über diesen Castor-Transport an diesem Wochenende wesentlich mehr Menschen auf die Straßen bringen. Vor knapp zwei Stunden erreichten die Castoren Straßburg. Fast überall bekunden Gegner ihren Unmut und an der deutsch-französischen Grenze gab es Blockaden, die von den Ordnungshütern aufgelöst werden konnten.
SONNTAG (07.11.10). Mit einer rund elfstündigen Verspätung traf vorhin der Castor-Transport in Lüneburg ein. Zahlreiche Protestaktionen von Atomkraftgegnern verhinderten eine reibungslose Fahrt der elf mit radioaktivem Müll beladenen Castoren. Von Lüneburg aus sind es rund 54 Kilometer auf dem letzten Gleisabschnitt bis zur Umladestation in Dannenberg.
Hier versuchten am Nachmittag mehrere Tausend Demonstranten, die Bahngleise zu erreichen. Leider kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Aktivisten und der Polizei. Besonders gewalttätig ging es zwischen Hitzacker und Dahlenburg zu. Gespannt sind wohl alle Beteiligten auf den weiteren Verlauf des Atommülltransportes.
