Archive for Juli 18th, 2010

21:46 I Schönheitswahn: Große Augen wie Lady Gaga

Sonntag, Juli 18th, 2010

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Los Angeles. Lady Gaga hat es in ihrem Video zu “Bad Romance” vorgemacht und zieht damit junge amerikanische Frauen mit in den Schönheitswahn. Die Rede ist von Großkontaktlinsen, welche das tun wofür der Name steht. Die Augen wirken wie in einem Anime aus Japan. Das behauptet zumindest die “New York Times”. Ob sich der Modetrend auch in Deutschland durchsetzen wird bleibt abzuwarten.

21:43 I Schluß mit schönen Blondinen: Aus für Sex-TV

Sonntag, Juli 18th, 2010

München. Über 30 Sex-Fernsehsender laufen derzeit unverschlüsselt über Astra im deutschen Fernsehen – Doch damit soll wohl Schluß sein, dass berichtet das Nachrichtenmagazin “Focus”. Die Jugendschützer machen Druck und der Satellitenbetreiber Astra reagiert darauf. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat Astra zu einem freiwilligen Verzicht die Sexkanäle bewegen können, berichtet das Magazin weiter. Astra lässt ab sofort keine neuen unverschlüsselten Sex-Sender mehr zu.

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21:37 I Urlaubsdrama: Zehnjähriger stirbt bei Tauchkurs

Sonntag, Juli 18th, 2010

Fehmarn. Ferien und Urlaub in fernen Ländern sind schön und erfreut besonders Kinder jedes Jahr. Wenn jedoch gewisse Faktoren nicht miteinander harmonieren, dann kann das Urlaubserlebnis jedoch schnell negative Aspekte hervorheben.

So jetzt auch auf der Ostseeinsel Fehmarn, wo ein zehnjähriger bei einem Tauchkurs in zweieinhalb Meter Tiefe gestorben ist. Ein 16-jähriges Mädchen schwebt in Lebensgefahr. Dies teilte die Polizei Lübeck mit. Beide Minderjährige besuchten einen Tauchkurs und sind nicht mehr an die Wasseroberfläche zurückgekehrt.

Rettungskräfte konnten die 16-jährige retten, der Junge werde erst 20 Minuten später ausfindig gemacht. Die Wiederbelebung des zehnjährigen glückte für einen kurzen Momen, wenig später in der Klinik verstarb der Junge jedoch.

21:29 I Hamburg: Ole von Beust tritt zurück

Sonntag, Juli 18th, 2010

Hamburg. Ole von Beust, der Bürgermeister von Hamburg, hat seinen Rücktritt angekündigt. Die schwarz-gelbe Regierung sitzt nun noch tiefer im Debakel. Um 17:44 verkündete er seinen Rücktritt vor den TV-Kameras. Schon seit Tagen machten sich Gerüchte um einen möglichen Rücktritt die Runde – Jetzt ist es offiziell. Bei den Wahlen im Jahr 2012 wird er nicht als Bürgermeisterkandidat antreten. Christoph Ahlhaus soll die Nachfolge von Beust sein.

21:00 I Kukksi-Interview mit Elea Geissler

Sonntag, Juli 18th, 2010

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Am heutigen Sonntag veröffentlicht Kukksi nochmal einige Interviews im Original, welches das Berliner Jugend- und Studentenmedium bisher geführt hat.

INTERVIEW | 24.04.2009. Ihr größter Erfolgshit war der Kinderklassiker von Erich Kästners Verfilmung “Pünktchen und Anton”, wo Elea “Pünktchen” spielte. Sie hat bei weiteren Rollen im Fernsehen bei RTL, Sat.1, ZDF und ARD mitgespielt. In den Kinofilmen Bibi Blocksberg 1+2 und 2er Ohne war sie auch dabei, sowie anderen diversen Kinofilmen.

Das Interview wurde im März / April geführt. Elea Geissler ist am 26.02.1988 in Frankfurt am Main geboren und lebt jetzt in Köln.

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  • DAS INTERVIEW

KUKKSI: Im Jahr 1998 lief die erfolgreiche Romanverfilmung ,,Pünktchen und Anton” von Erich Kästner. Damals waren Sie 10 Jahre alt und haben die Hauptrolle ,,Pünktchen” gespielt. Wie sind Sie so früh zu der Rolle gekommen?

Elea Geissler: Die Rolle in ,,Pünktchen und Anton” habe ich durch meine Mutter bekommen. Über eine Freundin hatte sie von dem Casting in München gehört und daraufhin haben wir im Garten ein paar Polaroid-Fotos gemacht und dort hingeschickt. Kurze Zeit später wurde ich zum Casting eingeladen und in der zweiten Runde zum Pünktchen ernannt.

KUKKSI: ,,Pünktchen und Anton” war ein sehr außergewöhnlicher Kinderfilm mit guten Inhalten. Was sollte der Film bei den Zuschauern bewirken?

Elea Geissler: Ich denke das Schöne an dem Film ist, dass sich jeder ein bißchen in ihm wiederfinden kann und er eine breite Spanne von Gefühlen vermittelt. Ich habe den Film jetzt nach 10 Jahren noch einmal im Kino in Siegen gesehen und er hat mich emotional ganz anders bewegt als noch vor drei oder vier Jahren. Der Film ist nicht nur für Kinder, sondern zeigt in meinen Augen auch viel Charme und Witz, der generationenübergreifend ist.

KUKKSI: Haben Sie noch Kontakt zu ,,Anton”?

Elea Geissler: Nein, leider nicht. Aber ich freue mich immer, wenn ich ihn mal im Fernsehen sehe oder seine Stimme bei Harry Potter höre. Ich liebe Harry Potter!

KUKKSI: Sie haben auch mehrere Gastrollen im Fernsehen gespielt, darunter in ,,112 – Sie retten dein Leben” (RTL), ,,Heiratsschwindlerin mit Liebeskummer” (SAT 1), ,,Papa Bulle” (RTL), ,,Woche für Woche” (ARD/ARTE) sowie in mehreren ZDF-Filmen. Was hat Ihnen mehr Spaß bereitet? Kinofilme wie ,,Pünktchen und Anton” oder doch das Fernsehen? Gibt es da große Unterschiede zwischen Kino und Fernsehen?

Elea Geissler: Meiner Meinung nach gibt es da sehr große Unterschiede. Als Schauspielerin macht es mir immer und egal vor welcher Kamera Spaß zu spielen, allerdings ist der Aufwand beim Kino doch sehr viel größer und auch spezieller. Ein Drehtag bei einem Kinofilm kann nur wenige Szenen beinhalten, wohingegen ich beispielsweise die Episodenrolle bei ,,112″ in nur einem Tag gedreht habe. Fernsehen ist teilweise anstrengender, aber nach einem Tag weiß ich dann auch was ich alles geschafft habe.

KUKKSI: Im Jahr 2005 waren Sie für den Undine Award als beste jugendliche Nebendarstellerin für den Film ,,Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eule” nominiert. Dieser ging jedoch an Alexandra Neldel für den Film ,,Barfuß”. Wie sind Sie damit umgegangen? Freut man sich für den anderen oder ist man doch traurig darüber?

Elea Geissler: Allein die Nominierung war für mich eine große Ehre, deswegen war ich nicht besonders traurig und habe mich irgendwie doch ein bißchen als Gewinnerin gefühlt. Für Alexandra Neldel habe ich mich sehr gefreut, weil sie die Rolle gut gespielt hat und sie auch wesentlich größer war als meine in ,,Bibi Blocksberg”.

KUKKSI: 2006 und 2007 haben Sie in den Kinofilmen ,,Freischwimmer”, ,,2er Ohne” und ,,Mit einem Fuß im Himmel” mitgespielt. ,,Pünktchen und Anton” von 1998 war ein Kinderfilm, ,,Freischwimmer” hingegen ein Thriller. Bei welchem Genre stehen Sie lieber vor der Kamera?

Elea Geissler: Mmmh, das ist schwer! Am meisten bin ich natürlich an Rollen interessiert, an denen man wirklich was zu arbeiten hat. Je länger die Rolle ist, desto mehr kann ich mich in sie versetzen und sie zu einem Teil von mir machen, wie zum Beispiel bei dem ,,Landarzt”. Deswegen ist das Genre eigentlich egal, Hauptsache die Figur hat die Möglichkeit etwas von mir und ihr zu präsentieren.

KUKKSI: Noch zwei persönliche Fragen: Welche Filme schauen Sie privat am liebsten?

Elea Geissler: Meine Lieblingsschauspieler sind Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson, Anthony Hopkins und Kate Winslet. Aber natürlich gibt es da noch viele andere großartige Künstler, deen Filme ich mindestens alle 6 Wochen schauen muss und die für mich eine große Inspiration sind.

KUKKSI: Wenn Sie nicht vor der Kamera stehen, was treiben Sie dann in ihrer Freizeit?

Elea Geissler: Ich treibe sehr viel Sport und liebe es mit Freunden stundenlang im Café zu sitzen. Ich gehe auch leidenschaftlich gerne Essen, vor allem in der asiatischen Küche, die ich dann auch gerne mal zu Hause nachkoche – denn ich liebe kochen! Ich höre viel Musik und singe viel, sei es auf der Schauspielschule im Chor oder im Privatunterricht, den ich seit sieben Jahren habe.

KUKKSI: Die letzte Frage: Kannten Sie vor dem Interview KUKKSI? Gerne können Sie uns auch sagen, was Sie von dem Projekt halten.

Elea Geissler: Ich finde diese Art von Interview klasse und ehrlich, denn ich denke, es ist eine coole Art im Internet schnell ein paar Infos aufzuschnappen oder sich in einem Bereich, dem man sich nähern will zu informieren. Außerdem stellt ihr einfach andere Fragen, die mich als Leser auch interessieren. In diesem Sinne: Vielen Dank, dass ich ein Teil von KUKKSI sein durfte.

Wir bedanken uns bei Elea Geissler für das schöne Interview.

Foto: (c) Elea Geissler

20:00 I Kukksi-Interview mit Margarita Kaufmann

Sonntag, Juli 18th, 2010

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Am heutigen Sonntag veröffentlicht Kukksi nochmal einige Interviews im Original, welches das Berliner Jugend- und Studentenmedium bisher geführt hat.

INTERVIEW | 25.03.2010. Wie bei einem Vulkanausbruch, kam es in der letzten Zeit zu immer neuen Eruptionen, in denen von neuen Mißbrauchsfällen in verschiedenen Institutionen unserer Gesellschaft berichtet wurde. Und viele fragten sich, woher dass plötzlich alles kommt, denn auch wie bei vielen Naturereignissen, ist die Gefahr lange unsichtbar gewesen, bevor sie sich Bahn gebrochen hat und für alle sichtbar wurde. Experten weisen aber immer wieder daraufhin, dass diese Kräfte überall in der Gesellschaft existieren und nicht erst seit heute.

Aber lange wurde darüber nicht gesprochen da diese Taten durch Autoritätspersonen verübt wurden, die ihre Macht missbrauchten und die Opfer zwangen zu schweigen. Aber dies wurde in unserer modernen, freien und informierten Gesellschaft zunehmend schwieriger. Und wie bei einer akuten Naturkatastrophe meint man zunächst, dass alle Welt davon erfasst ist, bis man merkt, dass es nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit betrifft.

Darüber darf man aber auch nicht vergessen, dass es trotzdem in all den Institutionen auch Gutes gab und darüber will die folgende, vierteilige Kukksi-Reportage erzählen:

Mein Name ist Johannes Hägele, und wie vielleicht schon einige von Ihnen wissen, bin ich stellvertretender Inhaber der Kukksi Media Berlin, und Chefredakteur im Bereich Kunst & Kultur. Aber heute schreibe ich meinen Bericht auch als Altschüler der Odenwaldschule, als ein Mensch, der das Glück hatte, eine solche Schule besuchen zu dürfen. Im Zuge meiner Arbeiten und Recherchen zu diesem Artikel, habe ich ein Interview mit der aktuellen Direktorin der Odenwaldschule, Frau Margarita Kaufmann geführt, in dem Sie sehr offen über die Missbrauchsfälle, die Gründe und die Folgen gesprochen hat. Dafür will ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Ihr bedanken.

Das Interview mit Frau Kaufmann bildet den Anfang der vierteiligen Kukksi-Reportage über die Odenwaldschule Ober-Hambach.

  • Interview mit Frau Margarita Kaufmann, Direktorin der Odenwaldschule Ober-Hambach

1. Ich war selbst Schüler der Odenwaldschule, und habe aus diesem Grund auch ein starkes persönliches Interesse an der ersten Frage: Wie ist die Stimmung an der Odenwaldschule, wie kann man jetzt das anstehende, 100-jährige Jubiläum feiern?

Unsere Jugendlichen und unsere Mitarbeiter zeigen sich schockiert und erschüttert über das nach und nach deutlicher zu Tage tretende Ausmaß des Missbrauchs, dem Schülerinnen und Schüler in den 1970er und 1980er Jahren an der Odenwaldschule ausgesetzt waren. Altschüler und Altmitarbeiter fragen sich, wie konnte so etwas passieren? Welche Anzeichen haben wir übersehen, wo haben wir weggeschaut? Was für Gründe gab es für dieses Wegschauen?

Eigentlich alle fordern eine lückenlose und rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge und ermutigen meine Mitarbeiter und mich, den eingeschlagenen Weg der Transparenz und Offenlegung weiterzugehen und die Untersuchungen voranzutreiben. Mir tut diese Unterstützung gut, sie gibt mir Kraft für die Arbeit. Aber wir haben nicht nur  für die Vergangenheit der Schule eineVerantwortung, sondern auch für ihre Zukunft, und darum werden wir den hundertsten Geburtstag der Schule feiern. Das sind wir unseren heutigen Schülern schuldig, aber nicht zuletzt auch dem Schulgründer und allen Menschen, die sich in der Odenwaldschule in den vergangenen hundert Jahren engagiert haben und all denen, für die diese Schule ein wichtiger Ort des Lebens und Lernens war. Aber wir werden nicht so jubelnd feiern, wie wir uns das ursprünglich vorgestellt haben, sondern dem Thema Missbrauch und Missbrauchsprävention eine geeignete Plattform im Rahmen unserer Festwoche schaffen und den Altschülern die Gelegenheit geben, mit Experten und Fachleuten zu diesem Thema in Dialog zu treten.

2. Kann eine Schule diese Aufklärung und Aufarbeitung alleine / selbst leisten, haben Sie professionelle Hilfe, gibt es dafür Institutionen? Wie würden Sie sich die Aufarbeitung wünschen, wie empfinden Sie die Arbeit der Medien im Moment, wenn z. B. ehemalige Schüler dort erstmals öffentlich über die Vorfälle und ihre Erinnerungen über diese Zeit reden?

Als die Missbrauchsfälle Ende der 1990 er Jahren erstmals bekannt wurden, hat die Odenwaldschule nicht konsequent eine professionell begleitete Aufarbeitung in Gang gesetzt. Damit meine ich auch die Nachfrage bei weiteren möglicherweise betroffenen ehemaligen Schülern. Vieles hat die Schule damals begonnen, doch eine Integration in die Schulentwicklung     wurde versäumt. In den vergangenen Monaten haben wir uns den Betroffenen gegenüber als offen gezeigt und ihnen deutlich gemacht, dass wir wissen wollen, was damals geschehen ist.

Inzwischen stehe wir im Kontakt mit therapeutischen und wissenschaftlichen Organisationen und Institutionen. Wir suchen uns externe Beratung sowohl für eine therapeutische Angebotserweiterung als auch für ein wissenschaftliches     fundiertes und praktisch erprobtes Konzept der Prävention. Ein Konzept, bei dem wir die gesamte Struktur unserer Schule auf mögliche Schwachstellen prüfen wollen. Unser Ziel ist es, die Schule zu sein, die neue Standards beim Umgang mit diesem für alle Internate virulenten Thema setzt.

Die wichtigsten Mittel zur Prävention und Heilung von Missbrauch sind Öffentlichkeit und Transparenz. Die offensive und fast ausschließlich sehr fundierte Arbeit der Medien hat wesentlich zur Aufklärung beigetragen. Ohne die vielfältigen Recherchen engagierter Journalisten wäre uns vieles, was damals zu einem Verschweigen und Wegschauen geführt hatte, nicht verständlich.

Dass sich Betroffene über die Medien an die Öffentlichkeit wenden, bedeutet zunächst das Durchbrechen der Intimität mit dem Täter, wie ein ehemaliger Schüler das ausdrückte. Und zum anderen, und das stand am Anfang der Aufarbeitung, die die Odenwaldschule jetzt begonnen hat, haben die ehemaligen Schülerinnen und Schüler großen Mut gezeigt und eine     Unerschrockenheit, die uns alle sehr beeindruckt hat. Wir sind vor allem denen, die den Prozess zu Beginn des letzten Jahres in Gang gebracht haben, zu Dank verpflichtet.

3. Herr v. Hentig hat ja geäußert, dass Sie, seiner Meinung nach, den Aussagen der Opfer zu schnell glauben und einer rechtlichen Aufklärung vorgreifen. Haben Sie Unterstützung durch Herrn Becker, damit die Aufklärung  möglich wird und weiterer Schaden von der Schule abgewendet wird. Müsste er nicht auch direkt vor die Medien treten, anstatt lediglich nur eine schriftliche Erklärung abzugeben?

Ich sehe keine Anzeichen oder Signale, die darauf hinweisen, dass Herr Becker sich aktiv an der Aufklärung der Vorfälle beteiligen will. Indessen ist seine öffentlich gemachte Erklärung eine direkte Antwort auf den von Herrn von Hentig mir gegenüber geäußerten Vorwurf. Es war deshalb – bei aller Kritik, die betroffene Altschüler äußern – ein wichtiger Schritt und letztlich ein Eingeständnis seiner Schuld und des an den ehemaligen Schülern begangenen Unrechts.

4. Wie sieht es mit alten Mitarbeitern aus, die vielleicht auch Mitwisser oder Dulder waren, die vielleicht weggeschaut haben, haben sie eine Mitarbeit angeboten, um die damalige Situation möglichst umfassend zu erhellen und zu bereinigen?

Die Schule steht nun vor einem inneren Aufarbeitungsprozess, der sicher sehr schmerzhaft werden wird. Und womöglich für viele Menschen auch zu einer völligen Verunsicherung führen wird. Wir werden uns auch dabei helfen lassen und mittels eines Supervisors in diesen schwierigen Prozess einsteigen. Es sind nicht mehr viele Mitarbeiter, die aus dieser Zeit noch an der Schule sind, aber einige von ihnen beteiligen sich schon jetzt aktiv an der Aufarbeitung und stellen sich den Fragen, die an sie gestellt werden. Auch das verdient unsere Anerkennung.

5. Was könnten die strukturellen Ursachen dieser Fehlentwicklung gewesen sein, gibt es konzeptionelle Gründe, wie kann dies geklärt werden? Und gibt es aus Ihrer Sicht gesellschaftliche Bedingungen, die diese Taten begünstigten?

Wir befinden uns gerade bei genauen Analyse und Untersuchung der Faktoren, die das „System Becker“, wie es viele Altschüler nennen, möglich gemacht haben. Hermetische Strukturen und unklare Rollen, uneindeutige     Verantwortungszuschreibung und Zuständigkeiten haben sicher dieses System begünstigt, dem ein – und das darf man nicht vergessen – ,äußerst charismatischer Führer, so muss man das sagen, vorstand. Der hat alle in seinen Bann geschlagen und sie zur Loyalität und Bewunderung eingeladen.

Und er hat alle Menschen, die innerhalb des Systems aktiv waren, wie sich selbst zu etwas ganz Besonderem gemacht und dies auch immer wieder betont und beschrieben. Der damalige Leiter wird in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder zitiert mit der Aussage: „Wir sind einzigartig und außergewöhnlich und eine ganz besondere Schule, an der alles anders ist und auch alles anders sein muss.“ Hierin lag für betroffene Schüler ein Erklärungsangebot für alles, was ihnen „ungewöhnlich“ vorkam, wie ein ehemaliger Schüler dies ausdrückte.

6. Gab es Kontrollmechanismen, die die Macht der Lehrer bzw. Leiter eingrenzte und überwachte? Muss eventuell das Schulkonzept überdacht werden, denn es ist zwar die Tat eines Einzelnen, aber die Bedingungen für solche Taten müssen eben auch gegeben sein?

Eines ist klar, die damaligen Kontrollmechanismen haben nicht geholfen. Es gab keine Standards zum Beispiel für die Familienführung. Und es gab keinen Heimleiter, dessen Aufgabe die Betreuung und Beratung der Familienhäupter     gewesen wäre. Zwar hat die Odenwaldschule schon vor langem das Thema Schutz vor sexualisierter Gewalt in den Schulalltag hineingenommen. Dennoch ist, wie wir heute wissen, noch viel zu tun, um eine wirkliche Kultur des Hinschauens zu etablieren. Dazu gehören neben klaren Regeln und eindeutigen Rollen die Implementierung eines extern begleiteten Beratungs- und Fortbildungssystems, das sich zunächst an die Mitarbeiter, aber auch in adäquater Form auch an die Schüler richten muss.

7. Was hat sich seit damals vielleicht schon geändert,  war es eine spezifische Phase? Und was kann man insgesamt aus diesen Vorfällen lernen?

Missbrauch ist ein Thema in unserer Schule, und das ist sicher die wichtigste Änderung seit den 1990 er Jahren. Dennoch können wir Missbrauch nicht grundsätzlich ausschließen. Wir können und wollen uns als eine lernende Organisation verstehen und Maßnahme ergreifen, die den Schülern eindeutige Beratungs- und Hilfsangebote schafft und auf verschiedenen Ebenen Kontrollmechanismen einbaut. Und vor allem Kenntnis darüber schafft, was Missbrauch ist, wie er sich äußert, welche Zeichen die Betroffenen geben und wie Täterprofile aussehen. Inzwischen haben sich auch die Infrastruktur und das Leben in den Familien geändert.

Gemeinschaftsduschen gibt es nicht mehr,  die Jugendlichen haben Stoppschilder für ihre Zimmertüren und Schlüssel, um anzuzeigen, dass sie nicht gestört werden wollen, ein     therapeutische Team steht als Ansprechpartner zur Verfügung und unser Ausschuss zum Schutz vor sexualisierter Gewalt ist mit Schülern und Mitarbeitern beiderlei Geschlechts besetzt.  Dieser Ausschuss wird nun von einer externen Fachkraft beraten und geschult, diese steht dann auch möglichen betroffenen Schüler zur Verfügung. Wir bemühen uns um ein Klima  der Offenheit und der Transparenz.

8. Wie würden Sie sich die Zusammenarbeit mit den Medien vorstellen, um solche Vorfälle möglichst zu vermeiden, aber auch die Schule und ihre Identität nicht zu beschädigen?

Wie schon gesagt, die Medien haben die Aufdeckung der Vorfälle und der Zusammenhänge, die sie letztlich möglich gemacht hat, mit vorangetrieben. Eine offene und differenzierte Berichterstattung und die Stärkung der Strukturen der Beratung sind die Maßnahmen, die uns und die Schule stärken. Wir sind nun aufgefordert, das Wertvolle und Gute an der Odenwaldschule zu bewahren und uns auf einen Prozess der Schulentwicklung einzulassen, der die Odenwaldschule zu einer in jeder Hinsicht wieder vorzeigbaren Schule macht.

9. Gibt es schon Ideen, wie mit den Opfern umgegangen werden kann, damit sie nicht erneut zu Opfern werden?

Die Opfer müssen uns als Institution erleben, die sich zu den Vorkommnissen bekennt, Verletzungen anerkennt und zu deren rückhaltloser Aufklärung beiträgt. Betroffene dürfen nicht ein zweites Mal beschämt werden.

10.  Meine letzte Frage: Für viele Altschüler war die Odenwaldschule ein zweites Zuhause, in dem sie zu selbstbewussten, jungen Menschen erzogen wurden. Auch ich zähle mich dazu. Wie ist die Reaktion der Altschülerschaft, wie ist der Zusammenhalt?

Die meisten Altschüler, die mit der Odenwaldschule wieder im Kontakt stehen oder auch immer standen, betonen immer wieder, dass diese Schule für sie eine zweite Heimat und der wichtigste Ort ihrer Entwicklung war. Der Odenwaldschule verdanken sie vieles oder alles, was sie heute sind, auch solche Sätze sind immer wieder zu hören und dieser Tage auch in den Medien zu lesen. Natürlich stellen sich viele Altschüler auch viele Fragen. Und dennoch möchten sie die guten     Erinnerungen an die Schule behalten und die Zukunft der Schule sichern. Viele von ihnen unterstützen uns mit     Gesprächen und Hinweisen bei der Aufklärung. Dafür bin ich sehr dankbar.

  • Wir bedanken uns bei Margarita Kaufmann für das Interview.

Das Interview führte Johannes Hägele am 25.03.2010.

19:00 I Kukksi-Interview mit Jürgen Domian

Sonntag, Juli 18th, 2010

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Am heutigen Sonntag veröffentlicht Kukksi nochmal einige Interviews im Original, welches das Berliner Jugend- und Studentenmedium bisher geführt hat.

INTERVIEW | 25.06.2010. Jürgen Domian – Wer kennt seine Sendung nicht? Fast keiner – Jeder kennt sie und Domian hat eine große Fangemeinde. Die Sendung von “1live”, welche nachts um 01:00 im WDR gesendet wird, hat Fernsehgeschichte geschrieben und schreibt sie auch immer noch. Der Vorgänger von “Domian” startete im Jahr 1991 mit dem Namen “Riff”. Journalistisch aufgearbeitete Beiträge wurden ausgestrahlt. Heute gibt Domian Ratschläge, die Zuschauer können unter einer kostenfreien Telefonnummer in die Sendung gestellt werden.

Seit 1995 läuft “Domian”, Telefonanrufer können ihre Probleme schildern und Domian gibt hilfreiche Tipps – Egal welches Thema, egal welches Alter. Die Sendung erzielt nachts hohe Einschaltquoten – Eine junge und vor allem große Fangemeinde steht hinter der Ratgebersendung. Jürgen Domian erhielt für seine Sendung im Januar 2003 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Kukksi hat mit Domian ein Interview geführt – Wir haben ihm Fragen zu seiner Sendung, zur Fußball-Weltmeisterschaft und zur Homosexualität gestellt.

  • KUKKSI-INTERVIEW MIT DOMIAN

Domian, schön das Du Kukksi ein Interview gibst – Wir freuen uns sehr darüber. Am 03. April 1995 erleuchtete ein Stern am Fernsehhimmel – Damals noch unbekannt, heute einer der bekanntesten Radio- und Fernsehsendungen in Deutschland: „Domian“. Der Vorgänger „Riff“ ging im Jahre 1991 On-Air. Seit 16 Jahren läuft „Domian“ erfolgreich – Bereitet Dir die Arbeit genau noch so viel Spaß, wie am Anfang?

Absolut. Vielleicht sogar mehr denn je. Die ungezählten Dankesbriefe und Mails sind enorm motivierend, ebenso die zur Zeit sehr hohen TV-Einschaltquoten. Hinter uns liegt das erfolgreichste Halbjahr der Sendung seit bestehen.

Deine Sendung läuft dienstags bis samstags um 01:00 Uhr nachts – Eigentlich eine Zeit, wo die meisten schlafen. „Domian“ ist auch eine beliebte Sendung bei der jungen Zielgruppe – Warum wird die Sendung so spät gesendet und wie sieht dein Tagesablauf aus? Was unternimmst du an den „Domian“-freien Tagen?

Die Sendung ist ein klassisches Nachtformat. Viel früher würde sie so gar nicht funktionieren. An meinen freien Tagen habe ich die letzten Jahre fast nur geschrieben. Gerade ist mein neuer Roman auf den Markt gekommen. Er heißt ‚Der Gedankenleser’ und ist im Heyne Verlag erschienen.

Welches deiner bisher geführten Gespräche ging dir besonders nahe? Inwiefern beschäftigen Dich manche Themen auch noch nach der Sendung Kannst du nach Sendeschluss sofort abschalten?

Am schwierigsten sind für mich die Gespräche, in denen es um Tod und Sterben geht. Da stoßen wir regelmäßig an unsere Grenzen. Was sagt man einem Menschen, der in wenigen Wochen oder gar Tagen sterben wird? Oder einer Frau, deren Kind entführt und ermordet worden ist? Solche Gespräche nehme ich regelmäßig mit nach Hause. Aber das ist auch normal denke ich. Das geht jedem Arzt und der Krankenschwester ebenso.

Eine Frage, die wohl die Besucher sehr interessieren dürfte. Du bist oft bei Stefan Raab in der Sendung „TV Total“ zu sehen und sprichst über Deine Sendung und Deine neuen Projekte. Hast du mit Stefan nur beruflich zu tun oder pflegst du mit ihm auch eine gute Freundschaft?

Ich schätze Stefan Raab sehr. Er ist ein genialer Kopf und großer Fernsehmacher. Und ich glaube, dass er meine Arbeit auch sehr wertschätzt. Privat befreundet aber sind wir nicht.

Nun zu einem Thema, welches in der heutigen Gesellschaft teilweise noch als Tabuthema angesehen wird: Homosexualität. Warum outen sich viele Politiker, Prominente oder sonstige bekannte Personen gar nicht oder erst sehr spät? Wie tolerant ist deiner Meinung nach die heutige Gesellschaft gegenüber Homosexuellen und welche Probleme waren bei Schwulen und Lesben in deiner Sendung am häufigsten vertreten?

Ich glaube, dass sich in den letzten Jahren enorm viel getan hat. Vor, sagen wir mal fünfzehn oder zwanzig Jahren, wäre es undenkbar gewesen, dass Deutschland einen offen schwul lebenden Außenminister hat. Heute ist es fast normal. Das ist ein irrer Fortschritt. Natürlich muss noch viel getan werden. Die katholische Kirche und konservative evangelische Gruppierungen müssen ihre Positionen korrigieren – und ich warte auf das erste Outing eines hochprominenten Fußballers. Ich kenne einen schwulen und zwei bisexuelle Top-Fußballer. Im Moment trauen sich die Jungs noch nicht. Sie haben Angst, ihre Karriere wäre nach einem Outing sofort beendet. Irgendeiner aber wird irgendwann an die Öffentlichkeit gehen und er wird, nicht nur in der schwulen Welt, ein Held sein.

In einem früheren Interview hattest Du mal gesagt, dass deine zweite Heimat Berlin ist. Wenn du die Wahl hättest: Würdest Du Berlin oder Köln vorziehen? Was ist der Unterschied zwischen den beiden Städten?

Ich mag Köln sehr. Sie ist eine schräge und weltoffene Stadt mit tollen Leuten. Mein Herz allerdings gehört Berlin. Wäre ich nicht in Köln gebunden, ich würde sofort nach Berlin ziehen. Das hat tiefe Wurzeln. Ein Teil meiner Familie wurde nach dem zweiten Weltkrieg aus Westpreußen vertrieben und einige haben sich in Berlin angesiedelt. Daher war ich als Kind auch schon sehr oft in Berlin.

Wenn du mal die Zeit findest: Mal abgesehen von „TV Total“, was schaust du selbst im Fernsehen, wenn du mal nicht auf Sendung bist?

Nachrichten, Dokumentationen, Talkshows, ebenso diverse Shows. Ich habe mich immer schon für Unterhaltung und Entertainment interessiert.

In diesen Tagen findet die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 statt. Die deutsche Nationalmannschaft hat gegen Serbien verloren, hat allerdings gegen Ghana gewonnen und steht nun im Achtelfinale. Interessierst du dich für die Fußball-WM? Kannst du das Sporthighlight überhaupt verfolgen? Was sind deine Favoriten dieser WM, was wünschst du der DFB-Elf und was ist dein Wunsch-Finale?

Ich bin nicht sonderlich fußballinteressiert, aber natürlich freue ich mich, wenn unsere Mannschaft immer höher aufsteigt. Und sollten wir es dieses Jahr schaffen, wäre das natürlich eine Sensation und ganz Deutschland hätte ein Sommermärchen ohnegleichen.

Domian … In drei Worten. Wir geben Dir ein Wort vor und du sagst in drei Stichworten, was dir gerade spontan dazu einfällt.

  • RTL … Konkurrenz, Trash, Erfolg
  • TOKIO HOTEL … Respekt, Phänomen, Sorge
  • Homosexualität … Glück, Kampf, Sieg
  • TATORT … ARD, Top-Unterhaltung, Götz George
  • Angela Merkel … Zähigkeit, Ehrgeiz, Karriere
  • Südafrika … Unrecht, Mandela, Befreiung
  • Oliver Pocher … Freund, Top-Entertainer, Zukunft
  • Anne Will … Sympathie, Attraktivität, Miriam Meckel
  • WDR … Heimatsender, Chancen, Rückendeckung
  • Joachim Löw … Kompetenz, Menschlichkeit, Erfolg

Unsere letzte übliche Frage: Kukksi ist ein Medium, welches von Jugendlichen und Studenten produziert wird und aufgebaut wurde, erfahrene Journalisten unterstützen das erfolgreiche Projekt. Kanntest du das Projekt schon vor dem Interview?

Hatte von Kukksi schon gehört. Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg und alles Gute.

  • Wir bedanken uns bei Jürgen Domian für das schöne Interview.
  • Die Fragen wurden von Oliver Stangl gestellt.

18:00 I Kukksi-Interview mit Wilfried Handl

Sonntag, Juli 18th, 2010

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Am heutigen Sonntag veröffentlicht Kukksi nochmal einige Interviews im Original, welches das Berliner Jugend- und Studentenmedium bisher geführt hat.

INTERVIEW | 12.04.2010. Scientology hat vor kurzer Zeit eine deutschlandweite Debatte ausgelöst. Grund dafür war der ARD-Film “Bis nichts mehr bleibt”, sowie Diskussionsrunden im deutschen und österreichischen Fernsehen. Was ist Scientology eigentlich? Eine Sekte? Ein Wirtschaftsunternehmen? Ein Psychokonzern? Ein gemeinnütziger Verein? Eine Kirche? Nachdem uns die Vizevorsitzende der Scientology Kirche e.V., Sabine Weber, eine Antwort gegeben hat, hört sich Kukksi jetzt die gegnerische Seite an.

Es geht um Wilfried Handl. Er war nach dem ARD-Film “Bis nichts mehr bleibt” bei der Diskussionsrunde “Hart aber fair”. Er ist einer der bekanntesten Aussteiger überhaupt, 28 Jahre war er in der Organisation.  Er hat Kukksi erzählt, was Scientology eigentlich ist. Die Organisation wird seit Jahren von dem Verfassungsschutz beobachtet, in Deutschland wurde Scientology nicht als Religionsgmeinschaft anerkannt. Die Meinungen zu diesem Thema spalten sich.

Die Organisation bezieht sich auf die Schriften von L. Ron Hubbard. Vorwürfe gegen Scientology sind unter anderem Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen, organisierter Betrug, Verfolgung von Feinden oder Ex-Mitgliedern, Zwangsarbeit in Arbeitslagern, wo “KZ-ähnliche Zustände” herrschen. Positive Meldungen zu Scientology gibt es kaum.  Ein weiterer Vorwurf ist es, dass Scientology versucht, gesellschaftlichen Einfluss zu gewinnen. Besonders in Deutschland und Frankreich ist die Organisation äußerst umstritten.

Der kürzlich in der ARD gezeigte Film über den Werdegang einer kleinen Familie, die sich den Scientologen angeschlossen hatte, führte zu zahlreichen Diskussionen. Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann, forderte gegenüber der Deutschen Presse Agentur in München ein Verbot. Er bewertet Scientology als eine verfassungsfeindliche Organisation, die nicht den Grundprinzipien unserer Demokratie folgt. Ferner betonte der CSU- Politiker auch, dass Scientology keine Kirche ist, sondern vielmehr als Organisation verfassungsfeindliche Bestrebungen anvisiert und die Psyche vieler Menschen negativ beeinflusse.

Wilfried Handl war in dieser “Psycho-Sekte” 28 Jahre lang. Er erzählt Kukksi mehr über Scientology: Was die Organsaition eigentlich ist und wie er in knapp drei Jahrzehnten gelebt hat.  In der ARD-Diskussionsrunde “Hart aber fair” hat er sich Scientology gegenüber gestellt. Der ARD-Film “Bis nichts mehr bleibt” handelt von einer Familie, die von Scientology zerissen wird. Ist der Film Realität? Auch darüber haben wir ihm Fragen gestellt.

  • KUKKSI-INTERVIEW MIT WILFRIED HANDL 

Erklären Sie uns aus Ihrer Sicht, was Scientology ist.

Scientology ist ein Psychokult, der als eine Art von „Selbsthilfegruppe“ auftritt. Von Außen und zu Beginn betrachtet, sieht Scientology tatsächlich so aus, als ob hier verschiedene Kurse angeboten werden, die dem Einzelnen helfen würden, sein Leben besser zu meistern. Nach und nach kommt dann das zum Tragen, was hinter dieser Fassade steht: Eine totalitäre Gruppierung, die dem Einzelnen mehr oder weniger schnell in ihren Bann zieht und deren  Vorgaben und Dogmen sein Leben beherrschen werden. Hinter Scientology steht die sogenannte „Sea Org“, eine paramilitärische Vereinigung, die den Willen von Scientology durchsetzt, da sie aus diesem Grund gegründet wurde, und das sogenannte „Büro für spezielle Angelegenheiten“, der scientologische Geheimdienst, dem u.a. Jürg Stettler und Sabine Weber angehören, die als Öffentlichkeitssprecher von Scientology fungieren.

Sie waren 28 Jahre in der Organisation Scientology, dass sind fast drei Jahrzehnte. 

Welcher Grund hat sie dazu veranlasst, dieser Organisation beizutreten?

Der Grund war trivial: Ich hatte damals (1974) eine Freundin, die Scientologin war und mir nachdem ich neugierig wurde, nahelegte Scientology zu besuchen.

Erzählen Sie uns bitte, was Sie in den 28 Jahren bei Scientology erlebt haben. Welche negativen & positiven Erfahrungen haben Sie gesammelt?

Die Frage ist so, als wenn man jemanden fragen würde, er soll die Positiva und Negativa im totalitären Staat X aufzählen. Ich sehe das eher so: 28 Jahre meines Lebens bin ich etwas angegangen, das in keinem Aspekt lebensbejahend oder positiv ist. Auch wenn es positive Ereignisse gab, sind diese derart mit Scientology kontaminiert, dass sie nicht wirklich positiv sind. Für mich sind diese Jahre Teil meiner Biographie und mir tut es nur leid, dass ich mich erst in den Jahren nach meinem Ausstieg mit den vielen negativen Aspekten von Scientology auseinandersetze. Mehr dazu auf www.wilfriedhandl.com.

Wieviel Geld haben Sie in diesen 28 Jahren bei Scientology zurückgelassen?

Rund 130.000 Euro

Hatten Sie Kontakt zur Außenwelt? Haben Sie sich in Ihrer Lebensweise verändert? Wie  sah die Kommunikation mit „außenstehenden“ Personen aus?

Lediglich anfangs. Nach einiger Zeit bestand mein Bekanntenkreis fast ausschließlich aus Scientologen. Was in sich auch „logisch“ ist, da nur diese die „Sprache“ verstehen und Außenstehende zumeist skeptisch agierten oder als „Feinde“ auftraten. Der ARD-Film hat dies gut gezeigt.

Erzählen Sie uns, wie ihr Tag bei Scientology abgelaufen ist.

Eigentlich unauffällig. Ich ging meiner Arbeit nach und besuchte abends entweder Kurse oder half in der Scientology-Organisation mit. Man kann sich den typischen Tagesablauf eines Scientologen so vorstellen: Arbeit, Abends und am Wochenende auf Kursen oder mit Auditing beschäftigt, der scientologischen „Psychoanalyse“ unter Zuhilfenahme eines Lügendetektors; wobei der Begriff Lügendetektor von L. Ron Hubbard geprägt wurde, der über dessen Tragweite sehr oft schrieb.

Scientology ist eine Organisation, welche sich auf die Schriften von L. Ron Hubbard bezieht. In Deutschland wurde die „Kirche“ nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt, in zahlreichen anderen Ländern wurde sie jedoch anerkannt. Scientology wird als umstrittene Organisation in Deutschland angesehen, welche seit den 90er Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Weshalb wurde die Organisation in anderen Ländern als Religionsgemeinschaft anerkannt und wieso ist es so schwer, Scientology zu verbieten?

Warum Scientology in anderen Ländern als Kirche bzw. Religion anerkannt wurde, ist für mich nicht nachvollziehbar und kann nur auf die „Effektivität“ des „Büro für spezielle Angelegenheiten“ zurückgeführt werden. Wie diese Effektivität aussieht, kann man auch nachvollziehen, wenn man die „Entstehungsgeschichte“ der Entscheidung des amerikanischen Internal Revenue Service (der amerikanischen Steuerbehörde) aus dem Jahr 1993 betrachtet – Mehr dazu in meinem Buch „Das wahre Gesicht von Scientology“.

Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen, angebliche Arbeitslager in Kopenhagen, Zwangsarbeit,  bandenmäßiger organisierter Betrug – alles das sind Vorwürfe gegen die Organisation.

Was hat es mit den angeblichen Arbeitslagern in Kopenhagen auf sich …

Die Arbeitslager gibt es  – nicht nur in Kopenhagen, auch in East Grindstead/England und in den USA. Unter dem unverdächtigen Namen „Rehabilitation Project Force“ fungiert dort eine GULAG-ähnliches Einrichtung. Berichte von ehemaligen Insassen verdeutlichen dies. Vom Namen darf man sich nicht täuschen lassen – Es stand schon einmal „Arbeit macht frei“ über einer Einrichtung, die letztendlich unter „Freiheit“ etwas ganz anderes verstand.

In wie fern ist die Feindlichkeit gegen Homosexuellen vorhanden?

Homosexuelle werden bei Scientology völlig abgelehnt. Ein Sohn Hubbards, Quentin, der homosexuell war, verübte Selbstmord, da er den Ansprüchen nicht gerecht wurde. Mehr dazu im Buch „Bare-Faced Messiah“ von Russel Miller (Ein Link zur deutschen Übersetzung auf www.wilfriedhandl.com)

Welche weiteren Auseinandersetzungen sind Ihnen zwischen Scientology und Mitgliedern, bzw. Feinden der Organisation bekannt?

In Frankreich wurde Scientology im Herbst 2009 wegen bandenmäßig organisierten Betrug zu einer Geldstrafe verurteilt, in Belgien ermittelt die Staatsanwaltschaft und bereitet eine Klage vor und in Deutschland beobachtet der Verfassungsschutz genauso wie in Österreich.

Es gibt zahlreiche Berichte, wo sich der Ausstieg bei Scientology schwierig gestaltet. Terroranrufe, Verfolgungen, Aufsuchen im Treppenhaus und sogar Handgreiflichkeiten auf der Straße. Stimmen die Sachverhalte? Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt, haben Sie Probleme bei Ihrem Ausstieg gehabt?

Bin in die 1990er-Jahre war dies durchaus üblich. Seitdem verfährt Scientology anders – auch um dem „Kirchenimage“ gerechter zu werden. Solange jemand leise die Organisation verlässt, passiert nichts. Erst wenn jemand öffentlich gegen Scientology auftritt rollt die Maschinerie, die u.a. gezielten Rufmord und jede andere Möglichkeit, jemandes Ruf zu zerstören beinhaltet. In meinem Fall kam noch dazu, dass mir jeder Kontakt zu meinen Söhnen, die in den USA bei ihrer Mutter (ist Scientologin)  leben, unmöglich gemacht wurde.

Aus welchem Grund haben Sie Scientology verlassen? 

Es waren mehrere Dinge, die zusammenfielen. Einerseits waren da meine immer größer werdenden Zweifel, die ich seit Mitte der 1990er-Jahre hatte, jenem Jahr in dem David Miscavige das „Goldenen Zeitalter der Technologie von Scientology“ ausrief. Andererseits traf ich nach fast 30 Jahren meine Jugendliebe wieder – und diese erschrak als sie mich sah. Ihr war bewusst, dass man sich in diesem Zeitraum veränderte – aber nicht so: kalt, kontrollierend, scheinbar auf jemand eingehend, dabei aber vollkommen zielgerichtet; sich und Scientology als das Non-Plus-Ultra darstellen.
Und dann war da noch meine Krebserkrankung, die ich aus scientologischer Sicht nie bekommen hätte dürfen: Ich war ein sogenannter „Geklärter“, ein „Clear“, der laut Hubbard nicht einmal Schnupfen bekommen sollte. Und plötzlich hatte ich nur mehr ein kurze Lebenserwartung. Danach war mir klar: Ich musste in meinem Leben dringend etwas ändern. Das „Was“ zu finden war nicht schwer – Scientology stand als riesiger Block da.

Was droht Mitgliedern oder außenstehenden Personen, die sich gegen Scientology stellen? Welche Strafen hängen die Scientologen aus?

Man wird zur „Unterdrückerischen Person“ erklärt und wenn man wiederholt gegen Scientology vorgeht, tritt folgende Gesetzmäßigkeit in Kraft: „Feind: Regel für Unterdrückerische Personen anwenden. Freiwild. Darf seines Eigentums beraubt oder (in jeder Weise durch jeden Scientologen) verletzt werden, ohne dass dies disziplinarische Folgen für den Scientologen hat. Darf hereingelegt, verklagt, belogen oder zerstört werden.“ Hubbard hat dies 1967 festgelegt, ein Jahr später revidiert, „da es schlechte PR hervorrief“. Tatsache ist, dass es bis zum heutigen Tag in Verwendung ist, was ein Fülle von Aussagen belegt.

Scientology hat in Deutschland mehrere tausend Mitglieder. In den Vereinigten Staaten hat die Organisation schätzungsweise mehrere hundert tausend Mitglieder. Mit welchen Tricks versucht Scientology, neue Mitglieder anzuwerben? 

Scientology hat in Deutschland 5.000 bis 6.000 Mitglieder, in den USA 50.000 bis 80.000. Weltweit sind es ca. 100.000 bis 150.000 Mitglieder. Die Methoden sind überall gleich: Einerseits durch Straßenkontakt („Stresstest“ mit dem Lügendetektor) oder über Freunde, Verwandte oder Arbeitskollegen.

Die Zeugen Jehovas werden ebenfalls in Deutschland von vielen  als Sekte angesehen, dennoch ist die Gemeinschaft als Religionsgemeinschaft in der Bundesrepublik anerkannt. Welchen Unterschied gibt es zwischen den Zeugen Jehovas und Scientology?

Eigentlich nicht sehr viele – Nur dass die Zeugen Jehovas über keine paramilitärische Truppe von 5.000 Mann, die teilweise bewaffnet ist, und einem eigenen Geheimdienst (Büro für Spezielle Angelegneheiten) verfügt. Dazu komm noch, dass die Summen nicht so groß sind wie bei Scientology – wir sprechen über 200 bis 400 Millionen Dollar pro Jahr, die Scientology einnimmt.

Was können Sie den Menschen raten, die ungewollt zu Scientology geraten sind? Wo können sich Betroffene hinwenden, wenn sie zum Beispiel von Scientology bedroht werden?

Entweder an die vielen offiziellen Beratungsstellen oder direkt an mich: gdpa@wilfriedhandl.com oder +43 6649901593.

Der kürzlich ausgestrahlt ARD-Film „Bis nichts mehr bleibt“ war der erste deutsche Scientology-Film. Stellt der Film die Realität dar? Haben Sie sich im Film wieder gefunden? Konnte der 90-minütige Film aufklären oder war dies zu kurz gehalten?

Der Film stellt absolut die Realität dar – sogar untertrieben. Für mich war der Film ein Deja-vu-Erlebnis, da ich mich in bis zu 90% der Szenen wiederfand. Wobei er sicher nur einige Aspekte zeigen konnte – aber daraus darf man dem Film keinen Vorwurf machen. Würde man alles zeigen, käme eine Film heraus, der wahrscheinlich 30 Stunden dauern würde. Nein, in der Form konnte er meines Erachtens über Prinzipielles aufklären – und hat das hoffentlich auch getan.

In der Diskussionsrunde „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg waren Sie zu Gast. Auch der Scientology-Pressesprecher Jürgen Stettler nahm an der TV-Sendung teil, anwesend war auch Jürgen Fliege, der als evangelischer Pfarrer indirekt zu Scientology gehalten hat. Einige Medien berichteten, dass „Jürgen Fliege mit Scientology „geschmust“ hat. Wie war Ihr Eindruck? Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie als Scientology-Gegner der „Sekte“ heute gegenüber stehen?

Fliege ist für mich nicht durchschaubar. In vielen seiner Bemerkungen schwingt mehr als Sympathie für Scientology. Dann distanziert er sich wieder. Vielleicht spielt auch sein geschäftlicher Kontakt zu Aquapol eine Rolle. Dieses Mauertrockenlegungssystem wird von einem der führenden Scientologen (Willy Mohorn) in Österreich betrieben. Für mich persönlich ist es immer ein gewisses Problem, Offiziellen von Scientology gegenüberzutreten. Ich weiß, in welcher Funktion z.B. Stettler auftritt: Als Chef des scientologischen Geheimdienstes, der schon im Vorfeld trainiert hat, wie er mit Einzelnen und dem Thema „umgehen“ wird. Wobei es mir nicht um mein Abschneiden geht. Das ist sekundär. Mir geht es darum, so über das Thema zu sprechen, dass der Zuschauer daraus Informationen erhält. Und genau das versuchen Menschen wie Stettler zu verhindern.

Wenn wir es so sagen dürfen, Sie sind heute ein „freier Mann“. Was machen Sie heute? Wie sieht ihr Alltag heute aus?

Einerseits arbeite ich immer noch die Zeit bei Scientology auf, anderseits engagierte ich mich in den letzten Jahren verstärkt in der Selbsthilfegruppe GDPA, die allen Menschen, die mit Scientology in Kontakt kamen, Hilfestellung gibt. Eigentlich müsste man sagen: Ich bin ein immer freier werdender Mann.

Unsere letzte übliche Frage. Kukksi ist ein Medium, welches größtenteils von Jugendlichen und Studenten betrieben wird. Mit dem Thema Scientology beschäftigen wir uns schon länger, unsere erste große Aufgabe war das 120-minütige Interview mit der Vizepräsidentin Sabine Weber im Scientology-Hauptsitz in Berlin. Wir hören uns beide Seiten an, wir führen Interviews mit Gegnern, Aussteigern und Scientology selbst und wollen über die Organisation aufklären. Kannten Sie schon Kukksi? Wenn nein, wie finden Sie das Projekt?

Nein, kannte ich nicht. Finde ich aber gut, da es einmal dazu gehört, beiden Seiten die Möglichkeit der Artikulation zu bieten. Würden wir dies nicht tun, wären wir wie Scientology – totalitär.

  • Wir bedanken uns bei Wilfried Handl für das Interview.  

Die Website von Wilfried Handl: www.wilfriedhandl.com

  • Die Fragen stellte Oliver Stangl. 
  • News und Eilmeldungen von Kukksi auch bei Twitter >>> Kukksi on Twitter

17:30 I Kukksi-Interview mit Vera Int-Veen

Sonntag, Juli 18th, 2010

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Am heutigen Sonntag veröffentlicht Kukksi nochmal einige Interviews im Original, welches das Berliner Jugend- und Studentenmedium bisher geführt hat.

INTERVIEW | 12.03.2010. Sie ist TV-Moderatorin und hilft Menschen in der RTL-Sendung “Helfer mit Herz”, die dringend auf Hilfe angewiesen sind: Vera Int-Veen. Zuvor hat sie die erfolgreiche Talkshow “Vera am Mittag” moderiert, die zehn Jahre bei Sat.1 lief. Kukksi hat mit ihr ein Interview geführt, wir haben Vera Fragen zu ihren Sendungen gestellt, zur Homosexualität, über ihre sozialen Projekte und über die Fußball-Weltmeisterschaft.

  • KUKKSI-INTERVIEW MIT VERA INT-VEEN

1. Sie sind TV-Moderatorin, Buchautorin und helfen in der RTL-Sendung „Helfer mit Herz“ notbedürftigen Menschen. Sie reisen durch die Republik, besuchen die Familien, motivieren die Nachbarschaft zum helfen und gestalten die Wohnung der Betroffenen neu.  Sie lernen neue Menschen, Orte und Schicksale kennen. Die Schicksale in Ihrer Sendung berühren Sie und die Öffentlichkeit – Fließen bei Ihnen persönlich manchmal die Tränen? Besuchen Sie die Familien nach Ihrer Arbeit nochmals und bleiben Sie mit den Betroffenen in Kontakt?

Natürlich muss man schon mal schlucken, wenn die Familien ihre Schicksalsgeschichte erzählen, aber darauf bin ich ja zum Glück immer gut vorbereitet. Beim Finale allerdings, wenn die Familie zum ersten Mal ihr neues Heim sieht und man die Freude in ihren Gesichtern sieht, fließen bei mir auch schon mal die Tränen. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, was man mit den ganzen Helfern schaffen kann.

2. Bei „Helfer mit Herz“ holen Sie sich tatkräftige Unterstützung von den Nachbarn. Wie schaffen Sie es, in kurzer Zeit die Menschen zum Helfen zu bewegen? Ist das heute selbstverständlich?

Ich staune auch immer noch wie groß die Hilfsbereitschaft ist – viel, viel größer, als man immer denkt. Wenn erst mal einer anfängt und der Startschuss gefallen ist, entwickelt sich jedes Mal eine Eigendynamik und von überall her kommen ständig neue Helfer, denen es wirklich echte Freude bringt, Gutes zu tun und anderen zu helfen, auch wenn sie die Menschen oftmals gar nicht kennen.

3. 10 Jahre haben Sie die erfolgreiche Sat.1-Talkshow „Vera am Mittag“ täglich von 12 bis 13 Uhr moderiert. Sie haben ein weites Themenspektrum behandelt. Welche Themen und Menschen haben Sie besonders bewegt und welche Erinnerungen haben Sie mitgenommen? Würden Sie heute nochmals eine tägliche Talkshow moderieren? Was war für Sie die spektakulärste Folge, die Sie nie vergessen werden?

Zwischenmenschliche Konflikte zu lösen hat mir immer am meisten Spaß gemacht. Zerstrittene Menschen, die anscheinend nicht mehr die Kurve kriegen, brauchen oft nur mal einen neutralen Vermittler, um den Knoten zu lösen. Und wenn dann die Leute versöhnt aus meinem Studio gegangen sind, war das immer großartig. Außerdem habe ich es geliebt, Menschen wieder zusammenzuführen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen aus den Augen verloren hatten. Die vermissten Personen zu suchen und das Wiedersehen nach langen Jahren feiern zu können, war toll. Momentan bin ich ja mit „Helfer mit Herz“, „Schwiegertochter gesucht“ und anderen Projekten permanent auf Reisen, da kann man natürlich keine tägliche Talk-Show machen, aber wer weiß… Der Talk wird wiederkommen – in welcher Form auch immer – und ich kann mir durchaus vorstellen, das noch mal zu machen.

4. Bei der Kindernothilfe setzen Sie sich als Botschafterin ein. Themengebiete sind auch die grausame Beschneidung von Mädchen. Eine Beschneidung ist mit starken Schmerzen verbunden und kann körperliche Schäden davon tragen. Die Beschneidung wird in einigen Ländern mit kultureller Begründung durchgeführt. Was erwarten Sie von der Politik? Nicht in allen Ländern gilt die Beschneidung als Straftat – Warum verbietet Ihrer Meinung nach die jeweilige Regierung in dem Staat die Beschneidung nicht und warum setzen sich bisher wenige Prominente und Politiker dafür ein?

Ich denke in vielen Ländern spielen kulturelle Riten und die Religion eine viel größere Rolle als bei uns. Selbst schmerzhafte Beschneidungen oder sonstige Rituale werden dort eben noch für richtig erachtet, anscheinend auch von der Regierung. Warum sich in Deutschland nicht mehr für dahingehende Verbote einsetzen hängt wohl damit zusammen, dass wir in Deutschland damit einfach nicht direkt konfrontiert werden. Da stehen andere Themen auf der Tagesordnung bei all dem Elend, Kriegen und Naturkatastrophen von denen man tagtäglich hört. Und viele Prominente und Politiker engagieren sich ja nun wirklich in vielen Bereichen und leisten großartige Unterstützung.

5. „Ich musste fast 30 Kollegen kündigen, auch bei mir flossen viele Tränen“, dass sagten Sie damals in der „Bild“-Zeitung. Es geht um Ihre Firma „Time 2 Talk“, die im Jahr 2009 große Probleme hatte. Damals haben Sie Hoffnung für die Zukunft geschöpft. Wie sieht`s heute aus?

Die Firma time 2 talk hatte letztes Jahr an sich keine Probleme. Ich habe die Firma 2006 mit meinem Geschäftspartner Ulrich Hansbuer an die MME verkauft, der Verkauf war mit Ende letzten Jahres vollständig vollzogen. Traurig und enttäuschend war nur, dass meine Mitarbeiter, die noch an laufenden Projekten gearbeitet haben, nicht übernommen wurden – damit hatte keiner gerechnet.
Inzwischen haben viele meiner alten Kollegen neue, gute Jobs und wir werden uns bei anderen Firmen wiedersehen und bestimmt auch wieder zusammen arbeiten.

6. In wenigen Wochen findet die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika statt. Sie haben in einem damaligen Interview gesagt, dass Sie ein großer Fußball-Fan sind. Könnten Sie sich auch vorstellen, eine Fußballsendung zu moderieren? Fiebern Sie zur Fußball-WM 2010 mit der deutschen Mannschaft mit? An welchem Ort schauen Sie die Spiele?

Natürlich fieber ich mit der deutschen Mannschaft mit und werde mir jedes Spiel ansehen! Am liebsten feuere ich die Jungs bei mir zuhause vor dem Fernseher an. Dann kommen immer viele Freunde und meine Familie und wir feiern zusammen.
Und JA: für mich wäre es das Größte eine Fußballsendung oder Sport im Allgemeinen moderieren zu dürfen!

7. Sie sind selbst oft im Fernsehen zu sehen. Wenn Sie die Zeit haben, privat Fernsehen zu schauen, was läuft bei Vera zu Hause?

Ich gucke sehr gern Real-Doku-Sendungen, in denen Menschen und ihre Geschichten noch wahrheitsgetreu gezeigt werden, ganz viel Sport und Nachrichten natürlich.

8. Die Gesellschaft ist in den letzten Jahren toleranter geworden, was das Thema Homosexualität angeht. Zahlreiche Prominente, Politiker und weitere Stars haben sich in der Öffentlichkeit zu ihrer Homosexualität geoutet, dazu zählen auch Sie. Gestatten Sie uns die Frage: Welchen Unterschied gibt`s zwischen einer Beziehung mit einer Frau im Vergleich mit einem Mann – Was ist anders? Wie empfinden Sie das Verhalten der Gesellschaft gegenüber Homosexuellen in der heutigen Zeit?

Für mich ist das Leben mit einer Frau einfach unkomplizierter. Man versteht sich besser, weiß besser und vor allem schneller, was der andere meint und wie der andere empfindet.
Zum Glück hat sich das Verhalten der Gesellschaft in den letzten Jahren schon wesentlich toleranter gezeigt als noch vor 20 Jahren, aber manchmal bin ich noch erstaunt, dass man hin und wieder doch noch auf merkwürdige Ansichten dahingehend trifft.

9. Eine Frage zu Ihrem Privatleben. Sie helfen anderen Familien in Notsituationen. Haben Sie genügend Zeit für ihre Freundin? Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit? Wo treffen wir Sie an einem Sommertag?

Glücklicherweise haben wir noch genügend Zeit füreinander. Wenn ich Zuhause bin, machen wir eigentlich auch fast alles gemeinsam. Wir sind beide keine Partygänger, mögen es lieber mit unseren Hunden durch den Wald zu spazieren und brauchen kein großes Programm. An einem Sommertag werkeln wir im Garten rum, gehen mit den Hunden schwimmen und grillen gemütlich mit Freunden.

10. Unsere letzte Frage. Kukksi ist ein Jugend-.und Studentenmedium, welches sich mit aktuellen Themen aus Deutschland und der Welt auseinandersetzt, aber auch Themen beinhaltet, welches vor einigen Jahren noch Tabuthemen waren, wie zum Beispiel Homosexualität. Kannten Sie vorher Kukksi? Wie finden Sie das Projekt?

Kukksi kannte ich vorher leider nicht, finde euer Projekt aber ganz toll! Macht weiter so!

  • Wir bedanken uns bei Vera für das schöne Interview. 
  • Bild: © RTL
  • Text: © Kukksi I Das Interview hat Oliver Stangl geführt.

17:00 I Kukksi-Interview mit Katharina Saalfrank

Sonntag, Juli 18th, 2010

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Am heutigen Sonntag veröffentlicht Kukksi nochmal einige Interviews im Original, welches das Berliner Jugend- und Studentenmedium bisher geführt hat.

INTERVIEW | 01.09.2009. Katia Saalfrank ist Deutschlands bekannteste Diplom-Pädagogin und die “Super Nanny” bei RTL.  Kukksi hat im Sommer 2009 ein Interview mit ihr geführt, zum Start der neuen Staffel wurde das Interview im Herbst 2009 veröffentlicht.

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KUKKSI-INTERVIEW MIT KATHARINA SAALFRANK

1. Sie sind Diplom-Pädagogin und die “Super Nanny” bei RTL. Seit 2004 läuft die Sendung “Die Super Nanny” sehr erfolgreich. Gibt es einen großen Unterschied zwischen der Arbeit hinter den Kulissen und vor der Kamera?

Ich arbeite in dem Format “Die Super Nanny” mit Kamera – das ist der Unterschied zwischen der öffentlichen pädagogischen Arbeit und der Arbeit in diesem Format. Wenn ich in einer Beratungspraxis arbeite, dann kommen die Familien zu mir und wir sprechen hinter geschlossenen Türen in einem Raum, den ich gestaltet habe – also einem für die Familie fremdem Raum. Das ist ein großer Unterschied zu der Arbeit, die ich jetzt IN den Familien leisten kann. Laden die Familien mich zu sich ein, dann ist die Kamera dabei. Es gibt für mich in einer Familienarbeit mit Kamera kein “vor und hinter” der Kamera. Ich arbeite dann ausschließlich  mit der Kamera und führe keine Gespräche ohne dieses Medium.

2. Die Eltern bewerben sich bei dem Format “Die Super Nanny”. Freuen sich die Kinder auf ihren Besuch, realisieren die Kleineren, was Sie gerade in der Familie machen?

Die Kinder bekommen oft von ihren Eltern Druck gemacht. Wenn ich jedoch da bin, realisieren alle – auch die Kinder, dass sich etwas zum positiven insbesondere für die Kinder verändert. Deshalb habe ich immer gute Unterstützung von den Kindern. Oft müssen die Kinder auch die Eltern bitten, mich einzuladen! Mein Anliegen ist ja vor allem die oft so schwierige Situation für die Kinder zum Guten zu verändern – das können die Kinder gut wahrnehmen und freuen sich deshalb auf mich.

3. Das Verhalten der Kinder liegt meist an der Erziehung der Eltern. In der Sendung “Die Super Nanny” kommt es häufig vor,  dass Sie eher die Eltern, als die Kinder erziehen. Was machen die Eltern falsch? Wäre der Name “Die Eltern Nanny” nicht bei manchen Folgen besser?

Also, der Name “Die Super Nanny” passt für mich sowieso überhaupt nicht. Ich bin weder “Super” noch bin ich eine “Nanny”.  Auch “erziehe” ich nicht – weder Eltern noch Kinder. Aber es ist so, dass ich vorallem bei den Eltern ansetze. Die Eltern verstehen häufig die so wichtigen und ganz normalen Bedürfnisse ihrer Kinder nicht. Sie interpretieren Verhalten nicht gut und kennen auch oft die Ängste und Wünsche nicht. Es geht eben zwischen Menschen nicht um “Erziehung” sondern es geht immer – so auch zwischen Eltern und Kindern – um “Beziehung”. Ich spreche mit den Eltern darüber und gehe und gehe auch in eine Beziehung zu den Eltern. Die Beziehungserfahrung, die sie mit mir machen (Ernstnehmen, Zuhören, Wertschätzung) können sie dann an ihre eigenen Kinder weitergeben. Ziel meiner Arbeit ist es, Eltern so viele wie möglich positive Beziehungserfahrungen mit ihren Kindern zu ermöglichen.

4. Seit dem Amoklauf von Winnenden sorgt wieder das Verbot von “Killerspielen” für viel Gesprächsstoff, unter anderem auch in der Politik. Was meinen Sie. Sollten “Killerspiele” verboten werden?

Ich bin immer erstmal dafür, etwas nicht einfach zu verbieten. Das würde die Problematik nur verschieben und das Dilemma nicht aufheben. Die sogenannten “Killerspiele” an sich finde ich persönlich nicht reizvoll und oft extrem brutal. Schwierig finde ich, wenn Jugendliche aus Frust und Langeweile in eine virtuelle Welt fliehen und dann auch schnell den Bezug zur realen Welt verlieren. Selbstbewusstsein, soziale Erfahrungen und Beziehung können nur in der realen Welt wirklich erlebt werden. Oder anders: Die Sonne auf dem Bildschirm ist nicht warm!!!

5. Bleiben Sie mit den Familien nach Beendigung Ihrer Arbeit in Kontakt und werden ihre Regeln und pädagogischen Impulse eingehalten?

Also, Regeln gebe ich ja nie vor! Die pädagogischen Impulse in Form der Dinge, die wir gemeinsam angestoßen haben, werden in der Nachsorge durch zwei Psychologen gefestigt, die die Familie in langfristige Hilfsangebote vor Ort anbinden. Ich arbeite sehr eng mit Psychologen zusammen, so dass ich über diese auch Kontakt mit den Familien halte und sehr gut informiert bin. Die Nachsorge ist ein sehr wichtiger Aspekt meiner Arbeit. Ohne diesen könnte ich die Arbeit nicht leisten.

6. Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat letztes Jahr gefordert, in  einzelnen Fällen das Jugendstrafrecht unter 14 Jahren anzuwenden. Teilen Sie die Meinung?

Meine Meinung hierzu ist klar und vielleicht haben Sie meine öffentliche Stellungname dazu gelesen! Es bringt meiner Meinung nach nichts, Kinder und Jugendliche noch früher “wegzuschließen”. Im Gegenteil! Das kann alles noch schlimmer für die Jugendlichen machen. Wichtig ist, dass wir viel früher ansetzen. Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung, denn sie werden nicht “einfach” straffällig, sondern haben oft extrem ungünstige familäre Bedingungen, die entweder keinem auffallen oder zu spät bekannt werden.

7. Am 03.12.2008 kam die Folge mit dem siebenjährigen Dustin. Viele Medien sprachen davon, dass Sie hier aufgegeben haben. Was ging in Ihnen vor, was war genau los?

Ich bitte um Verständnis, dass ich mich nicht konkret zu meiner Familienarbeit äußern kann. Ich unterliege auch der Schweigepflicht. Was ich sagen kann ist, dass mein Ziel dieser Arbeit war – und jeder, der die Arbeit verfolgt hat wird das auch gesehen haben – die Mutter dabei zu begleiten, ihren Sohn loszulassen und dem Jugendamt selber mitzuteilen, dass sie gerade nicht für ihr Kind da sein kann. Das ist gelungen.  Diese Arbeit leisten Tag für Tag pädagogische Berater in Familien und auch zu meiner Arbeit gehört das. Was die Medien mit “aufgeben” gemeint haben, ist mir in diesem Zusammenhang auch nicht so ganz klar – vielleicht wurde dort nur die halbe Arbeit gesehen oder auch nicht so ganz vestanden, was mein Ziel war. Gern wird ja auch provoziert oder überspitzt! Schön, dass ich das hier nochmal richtig stellen konnte!

8. Sie beobachten die Familie erst  und dann fangen Sie an mit arbeiten. Manchmal sind sie jedoch schockiert, was Sie in der Beobachtungsphase zu Gesicht bekommen. Würden Sie manchmal nicht lieber sofort eingreifen wollen? Was schockiert Sie am häufigsten? Der Umgang miteinander in der Familie oder doch die unsaubere Wohnung?

Es gehört für mich einfach dazu, erstmal einen Einblick  in das Leben der Familie zu gewinnen, deshalb kann ich mich ganz gut rausnehmen und nur beobachten. Je besser ich beobachten kann, desto intensiver sind dann meine Eindrücke. Wenn Gewalt im Spiel ist, dann unterbreche ich auch sofort, das ist dann auch in der Arbeit zu sehen. Ab und zu kommt das vor. Schockiert bin ich nicht wirklich – Schock ist ein Zustand, der lähmt und unbeweglich macht! Ich bin eher berührt und fühle mit allen Beteiligten. Berührt von dem Umgang, den die Eltern oft mit den Kindern haben oder auch erschrocken darüber was Eltern von ihren Kindern erwarten.

9. Nun noch eine Frage zu Ihrem Privatleben. Sie sind viel unterwegs und helfen anderen Familien. Selber sind Sie Mutter von vier Kindern. Bleibt Ihnen da noch genug Zeit für ihre eigene Familie und wie gestalten Sie ihre Freizeit?

Ich habe schon immer Familie und Beruf gut verbinden können, weil ich mir mit meinem Mann alle Verantwortung emotional und auch praktisch teilen kann. Das ist auch jetzt wieder so. Meine Kinder sind jedoch auch schon ziemlich eigenständig und so sind wir alle viel unterwegs und machen immer feste “Treffpunkte” am Tag aus, wo wir uns treffen und uns austauschen. Zum Beispiel beim Essen oder am Nachmittag.

10. Und nun noch die letzte übliche Frage von uns. Kannten Sie vorher Kukksi schon?  Was halten Sie von dem Berliner Jugend- und Studentenprojekt Kukksi?

Ich kannte das Projekt vorher noch nicht und finde es gut. Es müsste viel mehr solcher Projekte  und engagierte Jugendliche und Studenten geben. Alles Gute für euch und danke für das schöne Interview.

WIR DANKEN KATIA SAALFRANK FÜR DAS INTERVIEW. 

Foto: (c) Nadja Klier | Geführt wurde das Interview von Oliver Stangl.