INTERVIEW. Sie ist TV-Moderatorin und hilft Menschen in der RTL-Sendung “Helfer mit Herz”, die dringend auf Hilfe angewiesen sind: Vera Int-Veen. Zuvor hat sie die erfolgreiche Talkshow “Vera am Mittag” moderiert, die zehn Jahre bei Sat.1 lief. Kukksi hat mit ihr ein Interview geführt, wir haben Vera Fragen zu ihren Sendungen gestellt, zur Homosexualität, über ihre sozialen Projekte und über die Fußball-Weltmeisterschaft.
1. Sie sind TV-Moderatorin, Buchautorin und helfen in der RTL-Sendung „Helfer mit Herz“ notbedürftigen Menschen. Sie reisen durch die Republik, besuchen die Familien, motivieren die Nachbarschaft zum helfen und gestalten die Wohnung der Betroffenen neu. Sie lernen neue Menschen, Orte und Schicksale kennen. Die Schicksale in Ihrer Sendung berühren Sie und die Öffentlichkeit – Fließen bei Ihnen persönlich manchmal die Tränen? Besuchen Sie die Familien nach Ihrer Arbeit nochmals und bleiben Sie mit den Betroffenen in Kontakt?
Natürlich muss man schon mal schlucken, wenn die Familien ihre Schicksalsgeschichte erzählen, aber darauf bin ich ja zum Glück immer gut vorbereitet. Beim Finale allerdings, wenn die Familie zum ersten Mal ihr neues Heim sieht und man die Freude in ihren Gesichtern sieht, fließen bei mir auch schon mal die Tränen. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, was man mit den ganzen Helfern schaffen kann.
2. Bei „Helfer mit Herz“ holen Sie sich tatkräftige Unterstützung von den Nachbarn. Wie schaffen Sie es, in kurzer Zeit die Menschen zum Helfen zu bewegen? Ist das heute selbstverständlich?
Ich staune auch immer noch wie groß die Hilfsbereitschaft ist – viel, viel größer, als man immer denkt. Wenn erst mal einer anfängt und der Startschuss gefallen ist, entwickelt sich jedes Mal eine Eigendynamik und von überall her kommen ständig neue Helfer, denen es wirklich echte Freude bringt, Gutes zu tun und anderen zu helfen, auch wenn sie die Menschen oftmals gar nicht kennen.
3. 10 Jahre haben Sie die erfolgreiche Sat.1-Talkshow „Vera am Mittag“ täglich von 12 bis 13 Uhr moderiert. Sie haben ein weites Themenspektrum behandelt. Welche Themen und Menschen haben Sie besonders bewegt und welche Erinnerungen haben Sie mitgenommen? Würden Sie heute nochmals eine tägliche Talkshow moderieren? Was war für Sie die spektakulärste Folge, die Sie nie vergessen werden?
Zwischenmenschliche Konflikte zu lösen hat mir immer am meisten Spaß gemacht. Zerstrittene Menschen, die anscheinend nicht mehr die Kurve kriegen, brauchen oft nur mal einen neutralen Vermittler, um den Knoten zu lösen. Und wenn dann die Leute versöhnt aus meinem Studio gegangen sind, war das immer großartig. Außerdem habe ich es geliebt, Menschen wieder zusammenzuführen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen aus den Augen verloren hatten. Die vermissten Personen zu suchen und das Wiedersehen nach langen Jahren feiern zu können, war toll. Momentan bin ich ja mit „Helfer mit Herz“, „Schwiegertochter gesucht“ und anderen Projekten permanent auf Reisen, da kann man natürlich keine tägliche Talk-Show machen, aber wer weiß… Der Talk wird wiederkommen – in welcher Form auch immer – und ich kann mir durchaus vorstellen, das noch mal zu machen.
4. Bei der Kindernothilfe setzen Sie sich als Botschafterin ein. Themengebiete sind auch die grausame Beschneidung von Mädchen. Eine Beschneidung ist mit starken Schmerzen verbunden und kann körperliche Schäden davon tragen. Die Beschneidung wird in einigen Ländern mit kultureller Begründung durchgeführt. Was erwarten Sie von der Politik? Nicht in allen Ländern gilt die Beschneidung als Straftat – Warum verbietet Ihrer Meinung nach die jeweilige Regierung in dem Staat die Beschneidung nicht und warum setzen sich bisher wenige Prominente und Politiker dafür ein?
Ich denke in vielen Ländern spielen kulturelle Riten und die Religion eine viel größere Rolle als bei uns. Selbst schmerzhafte Beschneidungen oder sonstige Rituale werden dort eben noch für richtig erachtet, anscheinend auch von der Regierung. Warum sich in Deutschland nicht mehr für dahingehende Verbote einsetzen hängt wohl damit zusammen, dass wir in Deutschland damit einfach nicht direkt konfrontiert werden. Da stehen andere Themen auf der Tagesordnung bei all dem Elend, Kriegen und Naturkatastrophen von denen man tagtäglich hört. Und viele Prominente und Politiker engagieren sich ja nun wirklich in vielen Bereichen und leisten großartige Unterstützung.
5. „Ich musste fast 30 Kollegen kündigen, auch bei mir flossen viele Tränen“, dass sagten Sie damals in der „Bild“-Zeitung. Es geht um Ihre Firma „Time 2 Talk“, die im Jahr 2009 große Probleme hatte. Damals haben Sie Hoffnung für die Zukunft geschöpft. Wie sieht`s heute aus?
Die Firma time 2 talk hatte letztes Jahr an sich keine Probleme. Ich habe die Firma 2006 mit meinem Geschäftspartner Ulrich Hansbuer an die MME verkauft, der Verkauf war mit Ende letzten Jahres vollständig vollzogen. Traurig und enttäuschend war nur, dass meine Mitarbeiter, die noch an laufenden Projekten gearbeitet haben, nicht übernommen wurden – damit hatte keiner gerechnet.
Inzwischen haben viele meiner alten Kollegen neue, gute Jobs und wir werden uns bei anderen Firmen wiedersehen und bestimmt auch wieder zusammen arbeiten.
6. In wenigen Wochen findet die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika statt. Sie haben in einem damaligen Interview gesagt, dass Sie ein großer Fußball-Fan sind. Könnten Sie sich auch vorstellen, eine Fußballsendung zu moderieren? Fiebern Sie zur Fußball-WM 2010 mit der deutschen Mannschaft mit? An welchem Ort schauen Sie die Spiele?
Natürlich fieber ich mit der deutschen Mannschaft mit und werde mir jedes Spiel ansehen! Am liebsten feuere ich die Jungs bei mir zuhause vor dem Fernseher an. Dann kommen immer viele Freunde und meine Familie und wir feiern zusammen.
Und JA: für mich wäre es das Größte eine Fußballsendung oder Sport im Allgemeinen moderieren zu dürfen!
7. Sie sind selbst oft im Fernsehen zu sehen. Wenn Sie die Zeit haben, privat Fernsehen zu schauen, was läuft bei Vera zu Hause?
Ich gucke sehr gern Real-Doku-Sendungen, in denen Menschen und ihre Geschichten noch wahrheitsgetreu gezeigt werden, ganz viel Sport und Nachrichten natürlich.
8. Die Gesellschaft ist in den letzten Jahren toleranter geworden, was das Thema Homosexualität angeht. Zahlreiche Prominente, Politiker und weitere Stars haben sich in der Öffentlichkeit zu ihrer Homosexualität geoutet, dazu zählen auch Sie. Gestatten Sie uns die Frage: Welchen Unterschied gibt`s zwischen einer Beziehung mit einer Frau im Vergleich mit einem Mann – Was ist anders? Wie empfinden Sie das Verhalten der Gesellschaft gegenüber Homosexuellen in der heutigen Zeit?
Für mich ist das Leben mit einer Frau einfach unkomplizierter. Man versteht sich besser, weiß besser und vor allem schneller, was der andere meint und wie der andere empfindet.
Zum Glück hat sich das Verhalten der Gesellschaft in den letzten Jahren schon wesentlich toleranter gezeigt als noch vor 20 Jahren, aber manchmal bin ich noch erstaunt, dass man hin und wieder doch noch auf merkwürdige Ansichten dahingehend trifft.
9. Eine Frage zu Ihrem Privatleben. Sie helfen anderen Familien in Notsituationen. Haben Sie genügend Zeit für ihre Freundin? Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit? Wo treffen wir Sie an einem Sommertag?
Glücklicherweise haben wir noch genügend Zeit füreinander. Wenn ich Zuhause bin, machen wir eigentlich auch fast alles gemeinsam. Wir sind beide keine Partygänger, mögen es lieber mit unseren Hunden durch den Wald zu spazieren und brauchen kein großes Programm. An einem Sommertag werkeln wir im Garten rum, gehen mit den Hunden schwimmen und grillen gemütlich mit Freunden.
10. Unsere letzte Frage. Kukksi ist ein Jugend-.und Studentenmedium, welches sich mit aktuellen Themen aus Deutschland und der Welt auseinandersetzt, aber auch Themen beinhaltet, welches vor einigen Jahren noch Tabuthemen waren, wie zum Beispiel Homosexualität. Kannten Sie vorher Kukksi? Wie finden Sie das Projekt?
Kukksi kannte ich vorher leider nicht, finde euer Projekt aber ganz toll! Macht weiter so!